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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:34

 

Kathy Lette: Wie man seinen Mann umbringt

30.08.2008

Verliebt, verheiratet, verschieden

„Krimi“ ist das Kombinationselement des Zeitgeistes. Hier: Der Post-Meta-Hera-Lind-typische Frauenroman mit Krimi-Anmutung. Die Engländerin Kathy Lette gehört zu den erfolgreichsten Autorinnen dieser im Feuilleton so gut wie nie vorkommenden Spezies. Wir haben unsere Spezialistin für Schundromane gebeten, den neuesten Roman von Lette zu lesen: Wie man seinen Mann umbringt.
Ein Betroffenheitsbericht von Leni Bauer

 

Ehemänner sind die verlogenste, sexuell inkontinenteste und finanziell gierigste Daseinsform auf Erden. Cassie, Jasmine und Hannah, die Heldinnen von Kathy Lettes Roman Wie man seinen Mann umbringt , erfahren es jede auf ihre Weise. Und, tja, der vaginale Orgasmus … Und überhaupt der fehlende Orgasmus. Und noch schlimmer: Der nicht mal mehr getürkte Orgasmus beim ehelichen Beischlaf.

Und nun, Ladies (das darf ich so mal sagen, denn bei diesem Buch sind wir ganz unter uns), kommt’s ganz dicke: die Vortäuschung keinen zu haben, das ist erst richtig topgeil – sonst dauert’s noch länger beim nächtlichen ehelichen Pflichtprogramm.
Hier, in diesem spaßigen Romanwerk, auf das frau nur gewartet hat, ist endlich die Rede von nackten Tatsachen, die knapp die Hälfte der mitteleuropäischen Bevölkerung umtreiben: Die alleinerziehenden, verheirateten Mütter. Achduliebesbisschen!
Die Freiheit der in die Jahre gekommenen Mädels, so verklickert uns am Anfang eine der Heldinnen, besteht nämlich darin, nicht mehr mit dem Göttergatten vögeln zu müssen. Tipps, wie sich das mittels Abschwell-Rethorik vermeiden lässt, anbei.

Fliegen und Cellulite

Aber: Ins Kissen beißen und sich leise in den Schlaf weinen, bringt’s auch nicht. Augen auf und durch! heißt die Devise im Geschlechterkampf bei Kathy Lette. Bissel morden kann da schon hilfreich sein. Denn kein Tag im Leben einer Frau ist so schön wie der Hochzeitstag. Außer dem Beerdigungstag des werten Gatten, klar. Denn er hat nie wirklich abgewaschen …
Und echt mal, so fragt sich doch nicht nur eine der Heldinnen: „Was ist ein vorgetäuschter Orgasmus gegen eine vorgetäuschte Ehe?“ Na?

Der Kerl hat sowieso nichts anderes im Sinn als seinen Fußballverein. Oder in der besseren Gesellschaft seinen pro-Bono-ismus. Ihr wisst schon, Bono, der Sänger, der Schokokekse an schokofarbene Kinder mit der Fliege am Auge verteilt. Ob eigentlich Journalisten immer eine dieser täuschend echten Plastik-Fliegen zur Hand haben? Aber ich schweife ab. …

Also: Einer der Gatten der drei echt dicken Freundinnen („dick“ ist nur metaphorisch gemeint! Um Gottes willen niemals mehr als Kleidergröße 34, stöhnen unsere Heldinnen! Solche Probleme lassen sich dann höchstens noch durch shoppen verdrängen!) ist ein berühmter Arzt, der die WHO berät, ständig in Darfur Menschenleben rettet und auch noch super aussieht. Als Kompensation für sein aufopferndes Leben muss er einfach alles vögeln, was zwei halbwegs cellulitefreie Beine hat. Sagt er. Als er ertappt wird. Aber er ist noch viel schlimmer …

Die salonfähige Variante des „Wer hat den Längsten?“, so lernen wir bei Frau Lette, heißt in der menschlich und auch ansonsten guten Londoner Gesellschaft: Wer hat mehr unter der Folterhaft in Burma gelitten? Wer war länger mit einer Fatwa belegt? „Die würden glatt für den Friedensnobelpreis morden!“, weiß Heldin Jasmine. Und Hannah muss derweil aufpassen, dass sie nicht die dreckigen Klamotten in die Waschmaschine wirft, ohne vorher die Kinder zu entfernen …

Schnitzel mit G-Punkt und Mord

Das alles ist witzig mit der Prise Bösartigkeit, die sich für anständige Gags gehört. Es hat ja schließlich was, dass man auf Charity-Banketts zugunsten der hungerleidenden Bevölkerung des Sudans fein speist. Hochleistungsmüttern beim Schulwettlauf zuzusehen auch. Bissiger Ehefrauen-Humor und komische Situationen auf allen Seiten, dass kann Kathy Lette. Das macht Spaß. Die Witze, über die man auch schon vor Jahren nicht lachen konnte, kann man ja schnell überlesen.

Trotzdem schleicht sich mit jeder weiteren Seite ein ungutes Völlegefühl ein. So etwa wie bei dem Verzehr einer leckeren Süßspeise. Den ersten Happen genießt man mit nach oben verdrehten Augen, den zweiten mümmelt man weg, beim dritten grübelt man, wieviel E124 drinsteckt. Und ab dem vierten wird einem übel. Der Zusatzstoff E124 ist in diesem Fall die dahintersitzende Biederkeit, sprich die gnadenlose Zielgruppenorientiertheit. Denn unsere Heldin Cassie, die uns von den diversen Versuchen wie frau ihren Ehemann loswird, erzählt, mag doch am liebsten Schnitzel mit Kartoffeln. Schließlich macht Kaviar nicht satt. Und wenn ihr Gatte nur ein bisschen besser zuhört, ab und zu sauber macht und endlich auch mal den G-Punkt findet, dann ist ja alles gut. Mehr will sie doch gar nicht.

Eklige Bratkartoffeln

Schade eigentlich, denn all die köstliche Bösartigkeit wird so überzogen von einem Schleim aus Muttermilch mit Bratkartoffelgeschmack – auch wenn am Ende eine Mörderin, eine Fälscherin und eine Erpresserin in den Sonnenuntergang segeln.

Aber trotzdem: Kicher! Denn Kathy Lette sagt endlich, was wir Mädels selber alle schon immer unser Eigen nennen wollten: Eine Ehefrau! Im Eva-Herrmann-Ehefrauen-Modus selbstverständlich. Und: Männer können nun mal ihre Gefühle nicht ausdrücken, weil sie nämlich gar keine Psyche haben, die Armen!

Also Mädels, Kopf hoch, Rücken grade und Brust raus, dann findet Ihr vielleicht auch Euren nach der Geburt der Kinder verlegten Orgasmus wieder.

Leni Bauer


Kathy Lette: Wie man seinen Mann umbringt (Original: How To Kill Your Husband, 2006). Roman. Deutsch von Ruth Keen. Diana Verlag 2008. 368 Seiten. 14,95 Euro.

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