Kennzeichen T - 25.05.2012 Men in Black 3 - jetzt im Kino! Frankie Chavez: Family Tree von Michael Ebmeyer David Small: Stiche. Erinnerungen Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Freitag, 25. Mai 2012 | 22:36

 

Robert B. Parker: Der gute Terrorist

25.10.2008

Annäherung an einen Altbekannten

Bereits zum 35. Mal schickt Altmeister Robert B. Parker seinen legendären Bostoner Privatdetektiv Spenser in den Ring, doch wer angesichts des Titels eine Handlung mit weltverschwörerischem Hintergrund erwartet, der sieht sich getäuscht. Der Originaltitel Now and then trifft es wesentlich besser. Den Klassiker hat mit frischem Blick Beate Mainka gelesen.

 

Altvertraute Handlungsmuster

Der Plot ist schnell erzählt: Spenser bekommt von einem zunächst undurchsichtigen Mann den Auftrag, dessen Frau zu beschatten. Der Unbekannte entpuppt sich als gehörnter FBI-Agent und seine Frau als die Geliebte eines Politikdozenten namens Alderson, der offensichtlich Leiter einer Gruppe ist, die Kontakte zwischen Finanziers und Terroristen vermittelt. Einige Tage später wird das Ehepaar ermordet aufgefunden und Spenser setzt alles daran, den Hauptverdächtigen Alderson zur Strecke zu bringen – allerdings eher aus persönlichen als aus Gründen des Staatsschutzes.

„Mein erster Spenser ...“

Zugegeben, es ist mein erster Spenser-Roman, aber schon die ersten Seiten sind ein bisschen wie die Heimkehr in eine vertraute Umgebung. Es ist alles da, was den Krimis der Schwarzen Serie ihre Qualität und ihren Charme verleiht und – das ist das Verblüffende – sie funktionieren immer noch bestens. Die Figuren sprühen vor Lebendigkeit, allen voran der außen harte, doch innen butterweiche Spenser, der in dieser Geschichte für seine heißgeliebte Susan über Leichen geht, in den geschliffenen, teils witzigen Dialogen immer das letzte Wort behält und damit die Pointen setzt. Susan, die Psychologin, die in diesem Fall zum Lockvogel wird, beweist damit ihre unerschütterliche Liebe und Hawk, Spensers bester Freund, ist zwar ein Killer, aber als Frau würde man sich ihm unbesehen anvertrauen, wenn man nachts im Central Park spazieren gehen möchte.

Ein wenig mit der Zeit geht der leicht verwitterte Ritter (S. 101) natürlich schon, etwa wenn er seiner Susan Vollkorn-Linguini kocht (Nachahmung empfohlen, lecker!), doch schon beim Wort postfeministisch (S. 99) steigt er aus, das ist ihm zu modern. Und genau das ist es, was den Reiz dieses herrlich altmodischen Krimis ausmacht. Es ist nicht der raffiniert konstruierte Plot, detailliert ausgeschlachtete Gewaltszenen – obwohl Spenser und seine Helfer in der Wahl ihrer Mittel nicht gerade zimperlich sind – oder das gerade aktuelle Thema auf dem Buchmarkt, sondern das unverbrüchliche Vertrauen Parkers in das Altbewährte, das dann auch tatsächlich immer noch funktioniert. Inmitten der unübersehbaren Fülle neuer und oftmals zweitklassiger Krimis wirkt der schmale Spenser-Roman wie eine Oase, in der der versierte Krimileser kurz verschnaufen und genießen kann, bevor er sich wieder den Auswüchsen des Marktes zuwendet.

Und da kann man dann auch verzeihen, dass die Übersetzung mitunter etwas holpert und die Logik nicht ganz stimmt, das macht Übersetzer Frank Böhmert mit dem treffenden Ton bei den Dialogen mehr als wett.

Beate Mainka


Parker, Robert B.: Der gute Terrorist: Ein Auftrag für Spenser (Now & Then, 2007). Aus dem Englischen von Frank Böhmert. Bielefeld: Pendragon 2008. 208 Seiten. 9,90 Euro.

TITEL-Kulturmagazin bietet regelmäßig Neuigkeiten aus Literatur, Musik und Film. Unabhängig und kompetent - seit über 10 Jahren!

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Dichter und Diplomat

»Ich erzähle von Dingen, die mich sehr stark geprägt haben. Zum Beispiel, der Spanische Bürgerkrieg aufgrund der vielen Republikaner, die in Mexiko Zuflucht suchten und die ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Raubbau an Körper und Seele

In Stiche erzählt David Small die Geschichte seiner Kindheit und Jugend im wissenschaftshörigen Amerika der ...

Kampf der Superlative

Wenn ausgerechnet Incal-Autor Alejandro Jodorowsky, der inzwischen auch »Heilung durch Kunst« betreibt, die Geschichte des mächtigsten Killers des Universums erzählt, ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Back for good

Zwei interessante Wiederveröffentlichungen aus den 70ern, vorgestellt von TOM ASAM.

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...