Altvertraute Handlungsmuster
Der Plot ist schnell erzählt: Spenser bekommt von einem zunächst undurchsichtigen Mann den Auftrag, dessen Frau zu beschatten. Der Unbekannte entpuppt sich als gehörnter FBI-Agent und seine Frau als die Geliebte eines Politikdozenten namens Alderson, der offensichtlich Leiter einer Gruppe ist, die Kontakte zwischen Finanziers und Terroristen vermittelt. Einige Tage später wird das Ehepaar ermordet aufgefunden und Spenser setzt alles daran, den Hauptverdächtigen Alderson zur Strecke zu bringen – allerdings eher aus persönlichen als aus Gründen des Staatsschutzes.
„Mein erster Spenser ...“
Zugegeben, es ist mein erster Spenser-Roman, aber schon die ersten Seiten sind ein bisschen wie die Heimkehr in eine vertraute Umgebung. Es ist alles da, was den Krimis der Schwarzen Serie ihre Qualität und ihren Charme verleiht und – das ist das Verblüffende – sie funktionieren immer noch bestens. Die Figuren sprühen vor Lebendigkeit, allen voran der außen harte, doch innen butterweiche Spenser, der in dieser Geschichte für seine heißgeliebte Susan über Leichen geht, in den geschliffenen, teils witzigen Dialogen immer das letzte Wort behält und damit die Pointen setzt. Susan, die Psychologin, die in diesem Fall zum Lockvogel wird, beweist damit ihre unerschütterliche Liebe und Hawk, Spensers bester Freund, ist zwar ein Killer, aber als Frau würde man sich ihm unbesehen anvertrauen, wenn man nachts im Central Park spazieren gehen möchte.
Ein wenig mit der Zeit geht der
leicht verwitterte Ritter (S. 101) natürlich schon, etwa wenn er seiner Susan Vollkorn-Linguini kocht (Nachahmung empfohlen, lecker!), doch schon beim Wort
postfeministisch (S. 99) steigt er aus, das ist ihm zu modern. Und genau das ist es, was den Reiz dieses herrlich altmodischen Krimis ausmacht. Es ist nicht der raffiniert konstruierte Plot, detailliert ausgeschlachtete Gewaltszenen – obwohl Spenser und seine Helfer in der Wahl ihrer Mittel nicht gerade zimperlich sind – oder das gerade aktuelle Thema auf dem Buchmarkt, sondern das unverbrüchliche Vertrauen Parkers in das Altbewährte, das dann auch tatsächlich immer noch funktioniert. Inmitten der unübersehbaren Fülle neuer und oftmals zweitklassiger Krimis wirkt der schmale Spenser-Roman wie eine Oase, in der der versierte Krimileser kurz verschnaufen und genießen kann, bevor er sich wieder den Auswüchsen des Marktes zuwendet.
Und da kann man dann auch verzeihen, dass die Übersetzung mitunter etwas holpert und die Logik nicht ganz stimmt, das macht Übersetzer Frank Böhmert mit dem treffenden Ton bei den Dialogen mehr als wett.
Beate Mainka
Parker, Robert B.: Der gute Terrorist: Ein Auftrag für Spenser (Now & Then, 2007). Aus dem Englischen von Frank Böhmert. Bielefeld: Pendragon 2008. 208 Seiten. 9,90 Euro.