Kennzeichen T - 25.05.2012 Men in Black 3 - jetzt im Kino! TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) Andrea Maria Schenkel: Finsterau "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Freitag, 25. Mai 2012 | 22:37

 

Val McDermid: Schleichendes Gift

06.12.2008


Menschelndes Gift

Lesbische, traumatisierte Detectives, übermächtige Mütter, axtschwingende Psychopathen – Val Mc Dermid lässt im fünften Teil ihrer Serie um Tony Hill und Carol Jordan kein Klischee unberührt. Verärgert und pikiert: Sabina Schutter

 

Es menschelt im fünften Fall des Ermittlerduos Tony Hill und Carol Jordan. Die von Val McDermid geschaffene Serie muss also erfolgreich sein, denn es gibt einen fünften Teil und – so fürchte ich – es wird weitere Morde für das Team geben. Es menschelt, denn Carol Jordan ist alkoholabhängig, der Profiler Hill hat eine übermächtige Mutter, die eine lesbischen Ermittlerin ist traumatisiert, die andere eigentlich auch. Der karrieresüchtige aufstrebende Constable mit Migrationshintergrund verbirgt auch Tiefen, und die vibratorschwingende Nerd-Frau Stacey fühlt sich eigentlich einsam. Bei soviel Menschlichkeit verwundert es nicht, dass auch die potenziellen Mörder des strahlenden Fußballstars ganz arme Wichte sind. Es „politelt“ darüber hinaus noch in Bradfield, denn die Autorin lässt es sich nicht nehmen den potenziellen islamischen Fundamentalisten Yousef einzubringen, der nur zu gut versteht, „wie brüchig die Brücke zwischen den beiden Kulturen war, die von seiner Generation verlangt wurde“.

Drei durch Gift verursachte Mordfälle, die zunächst in keinem Zusammenhang zu stehen scheinen – einer davon am Fußballstar von Bradfield Victoria, Robbie Bishop –, halten die Ermittler/innen des Teams von Carol Jordan in Atem. Es gibt keine heiße Spur, keine Feinde nur die geheimnisvolle Angst, der Täter könnte sich bereits sein nächstes Opfer suchen. Ein gefundenes Fressen für den auf Serientäter spezialisierten Profiler Tony Hill, der zwar durch eine Axtattacke lädiert in Krankenhaus liegt, aber dennoch fähig und willens ist, seine Kollegin Jordan zu unterstützen, in die er zudem heimlich verliebt ist (menschel!). Mit zahlreichen Perspektivwechseln untermalt sucht McDermid Spannung zu erzeugen, denn alle Detectives verfolgen unterschiedliche Theorien und die Leser/innen sollen ihnen dabei folgen. Um der dürftigen Story Fleisch zu geben, werden Nebenschauplätze wie Rassismus, Sexismus und Ausgrenzung sowie unerfüllte Liebe, schiefgegangene Fälle der Vergangenheit und daraus folgende Schuldgefühle regelmäßig eingestreut.

Mein Interesse hat bereits beim Satz „Während Angst an Carol wie eine Ratte an einem Knochen nagte, folgte sie der Wegbeschreibung“ auf Seite 40 deutlich nachgelassen. Statt eines axtschwingenden Täters schlich sich das Bild einer holzschnittartig formulierenden Autorin in meinen Kopf, das sich so gar nicht mit der Frau deckt, die auch „Echo einer Winternacht“ verfasst hat …Mit dem Auftauchen weiterer Akteure (siehe oben: Migration, Vibrator, Terror und Mutter-Trauma) verbessert sich die Situation sich leider nicht, und lediglich die wegen eines verklemmten Nervs eingenommenen Ibuprofen ermöglichten es mir, im Dämmerzustand bis Seite 304 zu kommen. Dann begann erneut ein Dialog zwischen Profiler und imaginiertem Täter, die Ibuprofen ließen nach und Langeweile nagte an mir. Weiter im Text trug mich nur mein Glaube, dass Val McDermid eigentlich eine talentierte Schriftstellerin ist, es sich vielleicht um lauter Übersetzungsfehler handelt und am Ende sich vielleicht alles als eine Persiflage auf schlechte Krimis herausstellt. Also, die nächste Ibuprofen und weiter …
Aber nein, Schleichendes Gift ist keine Persiflage. Es menschelte weiter, die ganzen verbleibenden 200 Seiten durch – jeder kann verstanden werden, alle sind eigentlich ganz traurig und zwischendurch werden Menschen getötet. Handlungsstränge sind willenlos eingebaut und verlieren sich wieder, da nützt mir auch der ganze Psychologen-Wust nichts. Ich hätte auf Seite 40 aufhören sollen oder zum verklemmten Nerv noch eine Grippe haben müssen, um das zu ertragen.Sabina Schutter



Val McDermid: Schleichendes Gift
(Beneath the Bleeding, 2007). Roman. Deutsch von Doris Styron. München: Knaur Tb 2008. 535 Seiten. 8,95 Euro.


-------------------------------------------------------------

TITEL-Kulturmagazin bietet regelmäßig Neuigkeiten aus Literatur, Musik und Film. Unabhängig und kompetent - seit über 10 Jahren!

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Dichter und Diplomat

»Ich erzähle von Dingen, die mich sehr stark geprägt haben. Zum Beispiel, der Spanische Bürgerkrieg aufgrund der vielen Republikaner, die in Mexiko Zuflucht suchten und die ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Raubbau an Körper und Seele

In Stiche erzählt David Small die Geschichte seiner Kindheit und Jugend im wissenschaftshörigen Amerika der ...

Kampf der Superlative

Wenn ausgerechnet Incal-Autor Alejandro Jodorowsky, der inzwischen auch »Heilung durch Kunst« betreibt, die Geschichte des mächtigsten Killers des Universums erzählt, ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Back for good

Zwei interessante Wiederveröffentlichungen aus den 70ern, vorgestellt von TOM ASAM.

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...