Tom Cain ist das Pseudonym für einen erfahrenen britischen Journalisten, der laut Klappentext bereits einige Finanzskandale an der Wall-Street aufgedeckt hat, sich auch in der Welt der Reichen und Schönen auskennt und nun mit seinem ersten Roman debütiert. Und, um es gleich vorweg zu nehmen, als spannungsgeladener pageturner funktioniert er durchaus, dennoch – am Ende entpuppt er sich als Papiertiger.
Der gute Killer
Samuel Carver, einst Agent beim MI6, erledigt inzwischen als versierter, hochbezahlter Killer dessen Drecksarbeit, aber als Gutmensch tötet er nur die Bösen, Menschenhändler, Terroristen, was so gerade ansteht. So zögert er auch nicht, von seinem üblichen Verbindungsmann einen Auftrag in Paris anzunehmen, es gilt, einen angeblichen pakistanischen Terroristen durch einen Verkehrsunfall zu töten. Der Leser ahnt es natürlich längst, in dem Mercedes sitzt Dodi nebst der Prinzessin, gleich ist
finito l’amore. Carver ist völlig ahnungslos und führt seinen Auftrag gewissenhaft aus, als unliebsamer Zeuge steht er aber jetzt – und das ist neu für ihn – auf der Abschussliste seiner Auftraggeber. Und nicht nur er, auch die selbstverständlich atemberaubende ehemalige russische Agentin, die auf dem angeblichen Paparazzi-Motorrad saß, ist in höchster Gefahr und wird vom guten Carver unter seine Fittiche genommen. Gemeinsam beginnen sie mit der Suche nach den eigentlichen Drahtziehern des Attentates, das auch in der Welt der Geheimdienste einiges an Staub aufwirbelt. Und so beginnt eine muntere, kurzweilige und durchaus geschickt konstruierte Schnitzeljagd, bei der keiner mehr der zu sein scheint, der er eigentlich vorgibt zu sein.
Der naive Journalist?
Cain ist in seinem Erstling nicht ungeschickt bei der Konstruktion seines Plots, er kann mit Kenntnissen aus der Welt der Geheimdienste glänzen, seine journalistischen Erfahrungen kommen ihm bei den zahlreichen Szenenwechseln, in denen er seine Leser in die unterschiedlichsten, aber immer maßgeblichen Welten der eigentlichen Drahtzieher der Geschicke unserer Welt entführt, zugute. Spannung baut er, wenn auch auf erzählerisch konventionelle Weise, gekonnt auf, und dennoch bleiben am Ende ein paar unbequeme Fragen offen: Ganz moralisch, ist ein Killer ein guter Mensch, bloß weil er ausschließlich Dreckschweine zu töten glaubt? Wer gibt ihm das Recht dazu? Und die vordergründig relativ logische Auflösung entpuppt sich als naive Sicht auf die Welt der mächtigen Wirtschaftsbosse, denn, soviel sei hier bereits verraten, ganz so einfach ist die Cainsche Logik dann in realiter leider doch nicht. Aber, und das ist schon Grund genug, als gekonnt gemachte Unterhaltung kann man diesen Thriller seinen Lieben durchaus unter den Tannenbaum legen, das Thema zieht halt auch 11 Jahre nach Dianas Tod noch.
Beate Mainka
Tom Cain: Target (The Accident Man, 2007). Thriller. Aus dem Englischen von Angela Koonen. Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe 2008. 479 Seiten. 8,95 Euro.
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