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Denis Lépée: Der Carthago-Code

17.01.2009

Netter Versuch

Jawohl, es ist alles vorhanden, nebulöse historische Bezüge, ein geheimnisvolles Artefakt, um das sich mehrere Parteien bis aufs Messer bekriegen, der Experte, diesmal in Gestalt eines Unterwasserarchäologen, der Licht ins Dunkel bringen soll und, natürlich, die schöne verwaiste Tochter des ermordeten Professors. Wem jetzt nicht Dan Browns Sakrileg einfällt, hat den Roman entweder nicht gelesen oder ignoriert. Empfiehlt sich das auch für den Carthago-Code? Och, nööö, winkt Beate Mainka ab ...

 

Feng-Shui in der Antike

Darum geht es, eine Anschlagserie auf bedeutende europäische Parlamentsgebäude erschüttert die Welt, Big Ben liegt in Trümmern und die französische Nationalversammlung ist heimatlos. Auch der Petersdom und die Baustelle für das neue EU-Parlamentsgebäude werden in Schutt und Asche gebombt. Wer war’s und warum? Das will der Unterwasserarchäologe Tommaso McDonnell herausfinden, liegt der Schlüssel dazu doch in einem uralten Artefakt auf dem Meeresboden, das einst aus dem zerstörten Karthago in Sicherheit gebracht wurde. Denn der Besitzer desselben verfügt über das geheime Wissen, das eingeweihte Architekten durch die Jahrhunderte dazu bewogen hat, zentrale Gebäude mit besonders positiver Ausstrahlung zu errichten. Klingt hanebüchen? Ist es auch, Feng-Shui für Arme, gewürzt mit einem Hauch Esoterik. Jetzt kommen noch die bösen Amerikaner und ein dubioser Geschäftsmann hinzu und schon sitzt unser grundguter Tommaso mitten in der Bredouille und muss nicht nur um sein eigenes Leben fürchten, nein, auch noch Töchterchen Mathilde wird zu erpresserischen (und spannungssteigernden) Zwecken entführt.

Wenn ein Bildungsbürger Thriller schreibt


Denis Lépée (Jahrgang 1968) konnte zusammen mit seinem Co-Autoren Yves Jégo 2007 einen beachtlichen Erfolg mit dem historischen Roman 1661 verbuchen. Der französische Politologe versucht sich nun an einem Thriller, in den er viel von seiner historischen und kulturbeflissenen Bildung einfließen lässt, letztendlich aber grandios scheitert. Er hat seine Vorlagen durchaus verinnerlicht, aber, und das ist die Crux, er entwickelt sie nicht weiter, im Gegenteil. Während andere Autoren uns eine Lösung, und sei sie auch noch so jenseits jeglicher Logik, präsentieren, bleibt uns Lépée selbst diese am Ende schuldig, nachdem er uns so eloquent und bemüht spannungsgeladen auf seine diversen Fährten angesetzt hat. Denn dass er über fundierte historische Kenntnisse verfügt, weht uns aus jedem Kapitel an, daran lässt er überhaupt keinen Zweifel, wenn er seine Leser quer durch die Jahrtausende an der Architekturgeschichte bedeutender Bauten auf der ganzen Welt teilhaben lässt. Auch die Dialoge der Experten untereinander lassen keine andere Deutung zu: Lépée kennt sich aus, kluger Mann! Schade nur, dass das auf Kosten der Spannung geht, denn irgendwann fragt sich selbst der geneigteste Leser, worauf der Autor hinaus will. Dazwischen wird eifrig gebombt, geschossen, versenkt, entführt, gerettet, gerätselt und wofür das Ganze? Für nichts, Lépée löst seine Geschichte und einige ihrer Handlungsstränge einfach nicht auf, und das ist unverzeihlich. Denn das ist das Geheimnis, wie ein solcher Thriller, dessen Handlung jenseits der Logik operiert, funktionieren muss: Wenn ein Autor schon ein Hirngespinst aufbaut, dann sollte er es auch passabel zu einem nachvollziehbaren Ende bringen. Alles andere ist inakzeptabel! Auch wenn am Ende ein zaghaftes „Fortsetzung folgt“ angedeutet wird.

Beate Mainka



Denis Lépée: Der Carthago-Code (L’Ordre du Monde, 2007). Roman. Aus dem Französischen von Stefan Linster. München: dtv 2008. 378 Seiten. 9,95 Euro.


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