Christoph Peters: Mitsukos Restaurant
28.02.2009
Japanisches Erzählkino
Christoph Peters hat bereits den Aspekte-Literaturpreis gewonnen und bietet auch mit seinem neuen Roman Mitsukos Restaurant einen Beleg für Ideenreichtum und ein gutes Auge. Ob das preisverdächtig ist, muss offen bleiben. Zumal man nicht so genau weiß, ob wir es hier mit einem Kriminalroman oder nur mit einem normalen Roman zu tun haben. Aber das Problem kennen wir ja. Sabina Schutter hat ganz andere Probleme mit dem Buch.
Auf so eine Idee muss man erst einmal kommen: Der lebens-desorientierte Dichter/Schauspieler Achim, fast 30, findet in einem rheinischen Wanderlokal ein japanisches Restaurant. Er heuert als Küchenhilfe an und verliebt sich in die geheimnisvolle Mitsuko, Küchenchefin und – zusammen mit ihrem Mann Eugen – Besitzerin des Restaurants. Gemeinsam führen die drei das Restaurant zu einigem Erfolg, so dass auch die rheinländische Haute-Volée Gefallen findet. Das Restaurant geht durch Höhen und Tiefen, spiegelt den Machtkampf zwischen Mitsukos Anspruch an japanische Küche und Eugens Zuspruch zu Weinen und Williamsbirnen wieder. Dazwischen Achim, Mitsuko verfallen und mit Eugen befreundet.
Peters macht fast alles richtig mit dieser Geschichte: beschreibt die Holzvertäfelung und die Wanderpokale, die Jogginggäste, Omas mit Hunden und Stammsäufer. Er deutet Yakuza-Verbindungen an, die Spannung versprechen, spätestens als ein japanischer Gast im Restaurant zusammenbricht und stirbt. Achim schwankt entsprechend seiner Lebenssituation zwischen falsch verstandener Kultursensibilität und touristischer Faszination für Japan, zwischen patriarchal-rassistischer Lust auf eine exotisch anmutende Frau und unterwürfiger Bewunderung für die acht Jahre ältere Küchenchefin. Sein Schulfreund Wolf Erben, Schönheitschirurg, und mit Japan auf andere Weise verknüpft, verkörpert zudem das alter ego von Achim – den Haudrauf, der sich alles nimmt, was Achim auch gerne hätte.
Once upon a time in Japan ….
Hölzern-schüchterne Annäherungsversuche Achims an Mitsuko, die diese teils zulässt, teils forciert, teils verweigert, machen aus Achim eine wirklich liebenswerte Figur mit Identifikationspotenzial. Hinzukommt die appetitanregende Beschreibung japanischen Essens – fein gemacht. All das führt zu schön gestalteten lebensnahen Dialogen und zeugt von guter Beobachtung, die durchaus Witz hat.
Fatal ist das Einführen der „einige hundert Jahre zuvor in Japan“-Ebene, die weder für die Geschichte produktiv noch unterhaltsam ist. Ich bin zwar noch immer von Mankells Chinesen traumatisiert, aber mir will auch nicht wirklich ein Grund einfallen, in diese, an sich gut gestaltete und leichtfüßige Geschichte eine historische Ebene einzubauen. Es führt bei mir zum Eindruck, Peters habe zu viel richtig machen wollen. Bei aller schönen Gestaltung, dem Aufbau, den netten Dialogen, den treffenden Beschreibungen bleibt bei mir der Nachgeschmack eines Talent-Show-Offs ohne Mut zum Risiko. Es bleibt kein Konflikt zurück nach dem Buch, kein Ekel, keine Verzückung. Peters geht an keiner Stelle ins Extrem, traut sich nicht an die ganze Trostlosigkeit menschlichen Daseins Anfang 30, will aber auch nicht voll in die Komödie gehen. Die Geschichte plätschert dadurch vor sich hin, bei Filmen würde man das wohl „Erzählkino“ nennen.
Das ist durchaus entspannend, und für arrivierte japan-affine Intellektuelle sicher nette Unterhaltung. Mehr nicht. Mir persönlich ist das zu wenig. Zum Schluss: Wenn Mitsukos Restaurant als Randbereich Kriminalroman gewertet werden soll, dann ist es schon das Königs-Wusterhausen der Randbereiche.
Sabina Schutter
Christoph Peters: Mitsukos Restaurant. Roman. München: Luchterhand Verlag 2009. 414 Seiten. 19,95 Euro.
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