Daniel Easterman: Das Schwert
28.02.2009
Globaler Dschihad
Politthriller um Schwerter, mit frommen Menschen, Buchhändlern und Antiquaren, die auch noch im Mittleren Osten spielen – kann das gut gehen? Eigentlich nein. Manchmal aber doch, sagt Beate Mainka
Was auf den ersten Blick als Wellenreiter auf der Kirchenkrimiwoge daherzukommen scheint, entpuppt sich bei der Lektüre als fundierter, nachvollziehbarer und – das ist das Erschreckende daran – durchaus realistischer Politthriller aus der Feder eines Autors, der als Mitteleuropäer über profunde Kenntnisse des Islam verfügt. Und erzählen kann er auch noch.
Der Name Daniel Easterman dient dem irischen Nahost-Experten Denis McEoin (Jahrgang 1949) als Pseudonym, unter dem er im englischsprachigen Raum bereits mehrere Romane veröffentlicht hat. Unter anderem lehrte McEoin an der Universität in Fez, Marokko, aber auch in England als Dozent für Islamwissenschaften und hat zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen über den Islam veröffentlicht. Seine Faszination für die orientalische Lebensweise und seine Kenntnisse des Alltags vor Ort durchdringen seinen Thriller durchgängig und heben ihn so weit aus der Masse hervor.
Ein Ire im Orient
Eigentlich beginnt die Geschichte recht banal: Der Sprachwissenschaftler und ehemalige MI6-Agent Professor Jack Goodrich lebt mit Frau und Tochter ein behütetes, aber durchaus assimiliertes Leben in den besseren Vierteln von Kairo und lehrt an der dortigen Universität. Sein ägyptischer Buchhändler bittet ihn, eine Antiquität zu begutachten. Es soll sich um das Schwert des Propheten Mohammed handeln und tatsächlich beweisen die beiliegenden Schriftstücke dem Wissenschaftler dessen Echtheit. Damit gerät Goodrich ins Visier einer Gruppe von Terroristen, deren Anführer Mohammed al-Masri gemeinsam mit seinem fanatischen Bruder Raschid mit Hilfe des Schwertes das Kalifat – der Kalif ist der allmächtige Stellvertreter Mohammeds auf Erden, autorisiert durch den Besitz des Schwertes – ausrufen will, um in einer Mobilisierung aller Muslime den globalen Dschihad gegen alle Ungläubigen auszurufen. Den Terroristen gelingt es, Goodrich durch Mord, Erpressung und Kindesentführung aller Existenzgrundlagen zu berauben, doch es gibt eine kleine Gruppe vorwiegend weiblicher Helfer, die ihn bei seiner schier unmöglichen Aufgabe unterstützen, eine große Katastrophe zu verhindern.
Das Schwert des Propheten und der totale Dschihad
Klingt unwahrscheinlich? Auf den ersten Blick ja, aber Easterman hat genügend Einblick in die Verflechtungen der internationalen Politik im Nahen Osten, sodass er seine Story bei allen spannungssteigernden Verwicklungen völlig logisch durchkonstruiert. Seine Helden und Heldinnen sind alles andere als strahlend, sondern voller Verzweiflung und Verletzlichkeit, die gerade dadurch glaubwürdig wirken, weil sie mit dem Rücken zur Wand und, insbesondere die Frauen, um ihr letztes bisschen Menschenwürde kämpfen. Doch auch auf der Gegenseite meidet er Klischees, die Grautöne überwiegen und oftmals sind auch die Guten kaum besser als die Bösen, schon gar nicht in der Wahl ihrer Mittel, um ihre Interessen durchzusetzen. Und so muss der Leser einiges an Grausamkeiten schlucken, doch deren Darstellungsweise bedient weder Voyeurismus noch platte Spannungssteigerung, sondern zeichnet ein erschreckendes Bild von erbarmungslosen Menschen, die sich aus religiöser oder eben auch politischer Überzeugung zum Herrn über Leben und Tod aufschwingen. Das kennen wir aus den täglichen Nachrichten zur Genüge. Wer jetzt meint, dass dieser Roman wieder einmal dem Vorurteil vom menschenverachtenden Islam das Wort redet, der irrt. Eastermans Schilderungen des Alltags auf Kairos Straßen merkt man deutlich an, dass er die Menschen unter dem Zeichen des Halbmondes als Brüder und Schwestern schätzt, aber Gewalt zur Durchsetzung welch auch immer gearteter Ziele rundweg ablehnt. So bietet dieser äußerst spannende, aber auch im besten Sinne lehrreiche Titel seinem Leser das, was gute Literatur jedweder Couleur ausmacht – einen erhellenden Einblick in fremde Welten weit über den eigenen Tellerrand hinaus!
Beate Mainka
Easterman, Daniel: Das Schwert (The Sword, 2007) Roman. Aus dem Englischen von Eva Bauche-Eppers. Berlin: Aufbau Verlag 2009. 418 Seiten. 9,95 Euro.
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