Das Ende einer Ära
Mit großem Bedauern müssen wir das Ende von Großbritanniens letzten verbliebenen Spezial-Buchladen für Kriminalliteratur verkünden. Murder One war fast 21 Jahre in der Charing Cross Road in London zu finden und hat die Türen Ende Januar für seine Kunden endgültig geschlossen. Der Laden wird jedoch weiter als online-Shop existieren.
Sein Gründer Maxim Jakubowski war im Begriff sich Ende 2009 zur Ruhe zu setzen, konnte aber keinen Käufer für den hoch geachteten Buchladen finden. Im „Guardian“ beklagte er, dass er sehr nah daran gewesen war zu verkaufen, doch die Finanzkrise schlug zu und alle wurden sehr, sehr vorsichtig.
Das Ableben von Murder One wurde in britischen Zeitungen und im Internet sehr bedauert: Kriminalautoren, Kritiker und Leser haben der Fachkenntnis, der Gastlichkeit und dem nicht nachlassenden Enthusiasmus des Personals ihre Anerkennung gezollt. Hier gab es einen Buchladen, der Kriminalliteratur ernst genommen hat und gleichzeitig eng mit der Welt der Leser verwurzelt blieb. Lesungen und andere Veranstaltungen wurden organisiert, um die Verbindung zwischen Autoren, Kritikern und einem breiteren Publikum zu ermöglichen.
Mit dem Verschwinden von unabhängigen Buchläden in Großbritannien generell, ist die Schließung von Murder One nur mehr ein Zeichen der Zeit – ein unvermeidliches Beiprodukt des Wachstums der Internet-Verkaufs-Giganten wie Amazon und anderen Buchhandelsketten.
In der Tat verkörpert für viele der Verlust von Murder One das Diktum “use it or lose it“ – kaufe deine Bücher in dem Buchladen um die Ecke oder sieh zu, wie er verschwindet. Besonders für die Welt des Kriminalromans bedeutet die Schließung von Murder One das Ende einer Ära. Kriminalliteratur hat in Großbritannien damit eine der besten Werbeplattformen und ein prominentes Schaufenster für alle ihre Formen verloren. Wir alle werden Murder One vermissen.
(dt. von Maria Lesinski)