Fantasy - oder was?
Genau darin liegt das Problem dieses ambivalenten Romans: Auch ohne Schubladendenken kommt der Leser nicht auf seine Kosten, denn der Plot ist weder fantastisch noch satirisch. Als Kriminalroman mit fantastischem Einschlag kann das Buch auch nicht durchgehen. Was bei Edward Moon so wunderbar funktionierte, geht hier in einem heillosen Gewurschtel durch diverse Genres unter.
Was schade ist, denn eins kann Barnes wirklich, nämlich erzählen – geschliffen, wortgewandt, bilderreich. Sein british sense of humour blitzt allerorten durch, besonders in den Szenen, in denen er den britischen Thronfolger und seine Umgebung beschreibt, wobei Ähnlichkeiten mit lebenden Personen natürlich völlig unbeabsichtigt und zufällig sind. Dazwischen müssen wir uns durch dialoglastige Weitschweifigkeiten quälen, Zeuge blutiger Gemetzel werden, auch für Fantasiebegabte wenig glaubwürdige Gestalten ertragen – und echte Spannung, worauf das Ganze denn nun hinausläuft, kommt auch nicht so wirklich auf. Da überdreht Barnes, da will er zu viel auf einmal. Letztlich wirkt der Roman wie eine schlechte, in die Jetztzeit transportierte Variation von Barnes’ Debüt. Dessen Komplexität, Fabulierkunst, dessen ausgefeilt logisch funktionierendem Universum darf bei aller Fantastik hinterher getrauert werden.
Die Tatsache, dass der Originaltitel Domino Men eine recht reißerische Übersetzung erfuhr, den er eigentlich gar nicht nötig hat, spricht Bände.
Doch halt, ein Novum gibt es: Der ältliche Thronfolger mit der schwer zu bändigenden Gattin schafft eines tatsächlich: Er besteigt als Nachfolger seiner langjährig regierenden Mutter tatsächlich noch den Thron. Da begibt sich Barnes nun wirklich ins Reich der reinen Fantasy!