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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:44

Jonathan Barnes: Das Königshaus der Monster

30.05.2009

Die Leiden des Thronfolgers

Vor gut einem Jahr amüsierte Jonathan Barnes alle anglophilen Liebhaber schräger britischer Literatur mit seiner wunderbar skurrilen Story über Das Albtraumreich des Edward Moon. Mit seiner unabhängig zu lesenden Fortsetzung, an die die Erwartungen naturgemäß hoch waren, verbreitet er vor allem eins – gepflegte Langeweile, die allerdings gekonnt erzählt und schön blutrünstig garniert ist. Sie hören BEATE MAINKA gähnen ...

 

Die gar schreckliche Bedrohung des zivilisierten London

Was hätte man aus dieser Idee nicht alles machen können! Da haben wir einen kleinen Buchhalter namens Henry Lamb (nomen est omen), der im Swinging London ein einsames und ereignisarmes Dasein fristet und seiner attraktiven Hauswirtin hinterherschmachtet. Als das Direktorium, eine Ansammlung höchst merkwürdiger Gestalten teils fragwürdigen Alters und Herkunft, ihn um Hilfe bittet, gerät sein Weltbild ins Wanken. Nicht nur, dass das Königshaus der Windsors eine Verschwörung plant, bei der London um den Preis von immerwährender Macht an den Leviathan verhökert werden soll – Lambs Großvater höchst selbst hat dem ahnungslosen Henry eine Schlüsselrolle in der vom Direktorium geplanten Rettung der Stadt zugedacht. Schon sieht sich der Ärmste einer Reihe höchst unangenehmer Unternehmungen ausgesetzt, deren einzig positive Konsequenz seine zunehmende Attraktivität bei der angebeteten Hauswirtin ist. Doch auch der Thronfolger spielt auf der Gegenseite nicht ganz nach Plan mit und so gibt es ein Fünkchen Hoffnung. Bis zum endgültigen Showdown wird aber noch munter gemordet, gefoltert und den Psychoterror beherrschen Lambs Gegner perfekt.

 

Fantasy - oder was?

Genau darin liegt das Problem dieses ambivalenten Romans: Auch ohne Schubladendenken kommt der Leser nicht auf seine Kosten, denn der Plot ist weder fantastisch noch satirisch. Als Kriminalroman mit fantastischem Einschlag kann das Buch auch nicht durchgehen. Was bei Edward Moon so wunderbar funktionierte, geht hier in einem heillosen Gewurschtel durch diverse Genres unter.

Was schade ist, denn eins kann Barnes wirklich, nämlich erzählen – geschliffen, wortgewandt, bilderreich. Sein british sense of humour blitzt allerorten durch, besonders in den Szenen, in denen er den britischen Thronfolger und seine Umgebung beschreibt, wobei Ähnlichkeiten mit lebenden Personen natürlich völlig unbeabsichtigt und zufällig sind. Dazwischen müssen wir uns durch dialoglastige Weitschweifigkeiten quälen, Zeuge blutiger Gemetzel werden, auch für Fantasiebegabte wenig glaubwürdige Gestalten ertragen – und echte Spannung, worauf das Ganze denn nun hinausläuft, kommt auch nicht so wirklich auf. Da überdreht Barnes, da will er zu viel auf einmal. Letztlich wirkt der Roman wie eine schlechte, in die Jetztzeit transportierte Variation von Barnes’ Debüt. Dessen Komplexität, Fabulierkunst, dessen ausgefeilt logisch funktionierendem Universum darf bei aller Fantastik hinterher getrauert werden.

Die Tatsache, dass der Originaltitel Domino Men eine recht reißerische Übersetzung erfuhr, den er eigentlich gar nicht nötig hat, spricht Bände.

Doch halt, ein Novum gibt es: Der ältliche Thronfolger mit der schwer zu bändigenden Gattin schafft eines tatsächlich: Er besteigt als Nachfolger seiner langjährig regierenden Mutter tatsächlich noch den Thron. Da begibt sich Barnes nun wirklich ins Reich der reinen Fantasy!

 

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