Men in Black 3 - jetzt im Kino! TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Freitag, 25. Mai 2012 | 22:45

Camilla Läckberg: Die Totgesagten

27.06.2009

Neues vom Krimitraumschiff

JUDITH HAMMER über den zuletzt auf Deutsch erschienenen Roman der Auflagen-Krimikönigin Schwedens, Camilla Läckberg.

 

Es hat wieder Anker geworfen im kleinen Hafen von Fjällbacka, das Krimischiff mit der altgedienten Crew. Da steht das vertraute Polizeirevier Tanumshede, die Uniformen leicht zerknautscht, auf der Kommandobrücke. Steuermann Patrik wäre ohne Chefstewardess Erica verloren, denn nur sie kann ihm neuen Mut geben, wenn er vor lauter Nebelschwaden die Fahrrinne aus den Augen verliert. Deshalb wird er sie jetzt endlich heiraten. Bertil, der selbst- und diesmal auch fremdverliebte Kapitän hat nur noch Repräsentationspflichten und kann nicht viel Unheil anrichten. Dafür darf er am festlichen Finale in der Kirche von Fjällbacka teilnehmen. Für den Leser ein Ausflug mit kalkuliertem Risiko, er kennt die Personen von früheren Episoden und vertraut sich ihnen an. Er weiß, es wird viel zu sehen und zu fühlen geben, aber am Ende überleben die meisten der Guten. Und die vorbeiziehende Landschaft ist sehenswert.

 

Quote für Tote

An Bord: Eine Reality-Soap. In der TV-Produktion „Raus aus Tanum“ tauschen die Darsteller Privatsphäre gegen Publicity und bringen Unruhe in die überschaubare Gesellschaft. Als zuerst eine Frau stark alkoholisiert verunglückt, und der Müllmann dann noch eine der Kandidatinnen ermordet in einer Abfalltonne findet, steigt mit den Einschaltquoten auch das Arbeitspensum der Polizei. Unterstützung kommt in Gestalt der neuen Kollegin Hanna, die sympathisch ist, aber bei der irgendetwas nicht stimmt. Das merkt der Frauenversteher Patrik sofort. Die Ermittlungen zeigen Verbindungen zu ungelösten Todesfällen in ganz Schweden. Alle Opfer starben mit einem hohen Blutalkoholgehalt, und eine Seite aus dem Märchen Hänsel und Gretel liegt in ihrer Nähe. Auch die Lösung liegt nahe, aber bis die Mannschaft das erkennt, fördert sie noch einige Details zutage, damit die Reisegesellschaft auf dem Sonnendeck Redestoff hat. Patrik bleibt bei all dem kaum Zeit, sich auf seine Hochzeit mit Erica vorzubereiten. Während diese mit Patriks Mutter um die Sitzordnung der Verwandtschaft ringt, lösen die Polizisten endlich den Fall, kurz bevor der Hochzeitsmarsch ertönt.

 

Vertraute Muster

Camilla Läckberg legt auch in diesem Krimi ihre bekannte Schablone an. Eine bunte Auswahl von Personen illustriert den Roman mit ihren Lebensgeschichten; daraus entwickelt die Autorin schnell ausreichend Verdächtige, damit es für den Leser nicht zu einfach wird. Sie springt zwischen den Handlungssträngen hin und her und wechselt die Perspektiven; wieder setzt Läckberg Rückblenden ein, um den Bogen in die Vergangenheit zu schlagen. Diesmal sind es meist diffuse Selbstgespräche; sie halten nicht mit den Ereignissen Schritt und wirken langatmig. Die Lösung des Falles – ein verlassenes Kind, das sein Leben lang Rache übt – kreist die Autorin langsam ein und eröffnet dabei Einblicke in aktuelle Themen von Borderline-Syndrom bis Talentshows. Viel Raum bekommt die persönliche Geschichte von Erica und ihrer neuen Rolle als Mutter, wie schon in Die Töchter der Kälte. Sprachlich eingängig mit abgegriffenen Ausreißern ist Die Totgesagten eine Lektüre für den Feierabend, nicht für den Literaturzirkel.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

TITEL-Kulturmagazin bietet regelmäßig Neuigkeiten aus Literatur, Musik und Film. Unabhängig und kompetent - seit über 10 Jahren!

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Dichter und Diplomat

»Ich erzähle von Dingen, die mich sehr stark geprägt haben. Zum Beispiel, der Spanische Bürgerkrieg aufgrund der vielen Republikaner, die in Mexiko Zuflucht suchten und die ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Raubbau an Körper und Seele

In Stiche erzählt David Small die Geschichte seiner Kindheit und Jugend im wissenschaftshörigen Amerika der ...

Kampf der Superlative

Wenn ausgerechnet Incal-Autor Alejandro Jodorowsky, der inzwischen auch »Heilung durch Kunst« betreibt, die Geschichte des mächtigsten Killers des Universums erzählt, ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Back for good

Zwei interessante Wiederveröffentlichungen aus den 70ern, vorgestellt von TOM ASAM.

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...