Die junge Witwe Eleanor Falkner ist fassungslos, ihr Mann Greg ist bei einem Autounfall gestorben, und neben ihm saß die schöne Milena, die eventuell weit mehr als nur seine Beifahrerin gewesen sein könnte. Nach kurzer Schock- und Orientierungsphase, in denen Eleanor das offizielle Prozedere der gerichtlichen Untersuchung durchstehen muss, steht fest: Sie kann die Zweifel an der Aufrichtigkeit der Liebe ihres Mannes nicht ertragen. Denn hier trickst das Autorenduo Nicci Gerard und Sean French, die unter dem Pseudonym Nicci French alljährlich einen Krimi herausgeben, zum ersten Mal heftig, es nagen nicht nur an Eleanor Eifersucht und Selbstzweifel, nein, jeder in ihrem Umfeld scheint Greg eine heiße Affäre mit der schönen Milena zu unterstellen. Derartige Unsicherheit und Verdächtigungen will Eleanor nicht akzeptieren und stolpert von nun an trauernd, aber tapfer durch wenig überdachte Schnüffeleien, die auch wohlwollend betrachtet, nicht als Ermittlungen durchgehen können. Schübe von Trauer unterbrechen das kriminalistische Vorhaben, freundliche Freunde stehen Eleanor zur Seite.
Überblick – weg!
Nun ist aber vermeintliche Untreue – oder eben Treue – gar nicht so leicht zu beweisen. Da es keine Indizien im Leben des Verstorbenen für eine Affäre aufzuspüren gibt, verfolgt Eleanor bald die Spuren der anderen Frau. Problemlos schleust sie sich unter falschem Namen in die Party-Agentur der toten Milena ein, macht sich prompt unersetzlich und spioniert die kleine Gesellschaft ohne große Bedenken aus. Durch verstörende Offenbarungen gerät Eleanor auf Abwege, lässt sich vielfältig vom schönen Sternekoch Johnny verwöhnen und riskiert, mit selbst ihr undurchschaubarem High-Tech einem Bösewicht auf die Schliche zu kommen. Dabei schliddert sie wiederum ins Visier der Polizei, wird des dreifachen Mordes beschuldigt und kann von Glück sagen, dass auch die Ermittler im angerichteten Durcheinander den Überblick verloren haben.
Im elften Roman des Autorenduos Nicci French ist nicht viel von erzählerischer Routine zu spüren. Um „Ängste und Obsessionen“ soll es gehen, so verrät Nicci French im Klappentext, doch scheint das Konstrukt von Seit er tot ist wie während einer erschöpften Siesta äußerst dünnwandig erbaut. Leider ist die eigentlich spannende Grundidee um Verlust, Trauerbewältigung und Verbrechen irgendwo zwischen Frauen-Kitsch- und Kriminal-Roman verlustig gegangen.