Präambel: Jeder Mensch hat Schwächen. Nur weil manche Rezensent/innen Vampirromane lesen, heißt das nicht, dass sie nicht mehr ernst zu nehmen sind. Andere Menschen sehen sich Gerichtsshows im Fernsehen an oder beobachten Teenager dabei, wie sie sich von sonnenbankbraunen Mittfünfzigern aus Hamburg etwas über das Popstar-Dasein erzählen lassen. Und jemand muss sich eben der Vampirkrimis annehmen.
Keine Frage, der Titel Hinreißend untot, das in schwarz gehaltene Cover, der Umfang von 430 Seiten im Piper-Taschenbuch deutet darauf hin, dass es sich hier nicht um höhere Literatur handelt und das auch Figuren vorkommen, die potenziell nicht mehr so richtig leben. Jemand, der nichts für Vampire übrig hat, wird den zweiten Teil der Serie um Cassie Palmer also getrost auf dem Thalia-Tischchen liegen lassen. Wer das nicht tut, hat allerdings auch ein Problem.
Untote allerorten
Durchaus bewandert in der Welt der Untoten und ihrer Nebenschauplätze, war ich dennoch völlig überfordert. Cassie Palmer (Hauptfigur) ist offensichtlich die Aspirantin auf den Titel der „Pythia“, das ist eine Art Ober-Weissagerin. Deshalb wollen viele Magier, Vampire und anderes Geschnätz sie umbringen, und mit solchem Scherz und Frohsinn vergeht eigentlich der Hauptteil des Romans. Cassie ist auf der Flucht, begleitet vom Kriegsmagier Pritkin; zwischendurch stellt sie fest, dass sie einem Liebeszauber unterliegt, dem „Geis“. Dieser soll sie eigentlich an einen Vampir binden, der heißt Mircea, aber es führt auch dazu, dass sie gelegentlich über andere Persönlichkeiten herfällt. Dieses Herfallen ist weder originell noch besonders erotisch noch führt es zu irgendeinem Ergebnis. Was habe ich gelacht bei: „Ich sehnte mich danach, ihn in mir zu haben, und wie zuvor der jungen Frau waren mir die Geräusche, die ich von mir gab, völlig gleich. Ich wollte Mircea mit einem heißen Verlangen, das mich innerlich zu verbrennen drohte“ (S. 188, Hervorhebungen im Original). Und nebenbei, was sind „warme muskulöse Kolonnen“ (S. 188)?
Zeitreisen auch noch …
Ach so: Cassie kann auch durch die Zeit reisen und deshalb könnte sie Dinge verändern, tut es aber nicht, weil sie „die Macht“ ablehnt (Filmzitat?). Sie gewinnt nicht mal im Lotto. Sie hat einen Schutzzauber auf dem Rücken, der aber schief sitzt. Und dann gibt es noch diverse Waffen, fliegende Dolche, Nullbomben, Runenmünzen und anderes, die aber alle nicht mehr funktionieren sobald Cassie, Pritkin, ein Magier a.D., und ein Geist ins Feenland gehen, um dort Myra, die böse Widersacherin zu suchen und ggf. zu bekämpfen.
Wie gesagt, ich lese wirklich gerne Vampir-Unterhaltungsromane, ich mag nicht nur Stephanie Meyer, sondern auch die Betsy-Taylor-Serie (eine schuhsüchtige Vampirkönigin). Ich kann sogar nachvollziehen, dass man die Black-Dagger-Serien gerne liest, denn da kommt wenigstens Erotik vor. Aber wenn auch in einem Vampirroman die einzige Unterhaltung darin besteht, aus Spaß die schlechte Übersetzung zurück ins Englische zu übersetzen oder sich darüber Gedanken zu machen, warum die Autorin unbedingt auch noch Feen einfügen musste, dann reicht das auch für leichte Unterhaltung nicht aus.
Zwischen Sex, Zähnen und Zauber sollte auch eine einigermaßen schlüssige Geschichte vorkommen.