Dieser Roman beginnt wie irgendein anderer Roman, in dem junge, hübsche Frauen aus der Medienbranche aus heiterem Himmel von ihrem gutaussehenden Manager-Freund verlassen werden. Eine perfekte Home-Story-Welt droht zu zerbrechen. Erica, die Hauptfigur, greift als erstes zur Weinflasche, um den Schmerz über die Trennung von Tom zu ertränken. In diesem Zustand klingelt der Tod an ihrer Tür, und Erica erliegt seinem Charme, seinen grünen Augen und seinen Kochkünsten. In tiefgründigen Gesprächen erklärt er ihr, wie sein Geschäft funktioniert, und bietet ihr schließlich an, seine Assistentin zu werden.
Störende Menschen einfach beseitigen
Die Versuchung, in das Leben anderer einzugreifen ist zu groß, um ihr zu widerstehen, und Erica findet schnell ihre erste Todeskandidatin. Doch sie merkt bald, dass es nicht genügt, einen Menschen wie eine Figur vom Brett zu nehmen, damit alles besser läuft. Und Dankbarkeit kann Erica von den befreiten Hinterbliebenen schon gar nicht erwarten. Die Ereignisse drohen ihr über den Kopf zu wachsen, vor allem als sie entdeckt, dass Tom sie schon lange belogen hat, und die Polizei langsam auf sie aufmerksam wird. Als sie dann noch an der Loyalität des Todes, ihres Geliebten, zu zweifeln beginnt, und Bekanntschaft mit dem Teufel macht, verliert sie jeglichen menschlichen Maßstab für ihr Handeln. Endlich sieht sie ihre Chance, sich an ihrem Ex zu rächen, aber der Tod hat ihre Seele schon dafür auserwählt, einen ganz besonderen Platz in Toms Leben einzunehmen …
Treffend ins Schwarze erzählt
Maria Ernestam philosophiert in diesem Buch über die Grundfragen des Daseins. Was ist Glück, welches Leben ist lebenswert, und worin liegt überhaupt der Sinn? Dabei rutscht die Autorin nicht ins Klischee ab, sondern eröffnet ungewohnte Perspektiven. Der Teufel ist zum Beispiel eine Frau: „Sie bringt uns dazu, Leid zu erfahren, das, was wir haben, im Stich zu lassen, um Perlmutt schimmernde Kulissen zu gewinnen, die sich dann als die pure Hölle herausstellen. Die Höchsten haben dem Menschen einen freien Willen gegeben, und da muss ich ihnen ja wohl etwas Auswahl bieten, sagt sie …“
Ab und zu greift Maria Ernestam zu einem moralischen Ton, der ein wenig mehr Ironie vertragen könnte, wie in der Einleitung zu Ericas letzter Tat: „Wie tötet man ein Kind, wenn man nicht ganz so drastisch wie vor zweitausend Jahren vorgehen und eine Kreuzigung wählen will?“
Unerschrocken verknüpft Maria Ernestam die Frage nach dem Sinn des Lebens oder des Sterbens mit der aktuellen Diskussion um Gentests und lässt die jahrhundertealten Erkenntnisse des Todes aus erster Hand in die Gegenwart einfließen. Etwas langatmig liest sich die Schilderung des Paktes, den der Tod mit Jesus geschlossen hat: Die Auferstehungsgeschichte auf 16 Seiten. Aber sie findet klare und schöne Worte für längst Bekanntes, wie die Verurteilung Jesu durch Pilatus: „ Ich hatte (…) zwischen den glotzenden Menschen gestanden, die an diesem Tag scheinbar alle guten Gefühle, alle Barmherzigkeit, alles Mitgefühl verloren hatten. Alle (…) Fähigkeit, ihre eigene Kleinheit zu erkennen.“
Die schwedische Presse lobte unter anderem den schwarzen Humor, den die Autorin in diesem Roman zeige. Schwarz ist das Thema sicher, aber der Humor dringt nur selten durch. Das mag an der Sprache liegen: Der Vergleich einiger Passagen zeigt, dass die deutsche Übersetzung den Ton des schwedischen Originals manchmal nicht einzufangen vermochte. So klingen trockene Bemerkungen im Deutschen nur ernst. Außerdem springen einige Übersetzungsfehler ins Auge: Was ist eine „Auskunftsperson?“ Wahrscheinlich jemand, der Öffentlichkeitsarbeit anbietet. Und Wahrheiten werden auch nicht „auf einer silbernen Schüssel“ serviert, sondern allenfalls auf einem silbernen Tablett.
Maria Ernestam serviert hier – in ihrem Debütroman – eine unterhaltsame und mitfühlende Mischung aus Thriller und Frauenroman mit populärphilosophischen Zügen: „Das Glück ist so selten“, sagt der Tod zu Erica, „ Und so soll es sein.“