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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:48

James Patterson/Maxine Paetro: Die 7 Sünden

19.09.2009

Ins Ziel gestolpert

Das Karussell von Sünde und Verbrechen dreht sich standhaft und schlägt vor allem in San Francisco gewaltige Kapriolen. Gut, dass sich vier Mädels kümmern, hat sich doch der „Women’s Murder Club“ nicht nur dem Spaß und Zusammenhalt verschrieben, sondern auch die Vereitelung von Straftaten und Verfolgung von Verbrechern auf die Club-Fahnen gesetzt. Im inzwischen siebten Teil der sich selbst durchzählenden Serie, Die 7 Sünden, lautet die erprobte Patterson/Paetro Devise erneut: Viel ist nicht genug! Doch während das Herz der Ermittlerin Boxer schon bald vor Aufregung im ga-lopp, ga-lopp, ga-lopp hüpft, unterdrückt der Leser liebenswürdig ein Gähnen. ANNA VERONIKA WUTSCHEL auch …

 

Böse Jungs sind unterwegs. Sie fackeln nicht nur Luxusvillen ab und hinterlassen neben toten Ehepaaren lateinische Sprüche – nein – in ihrer Freizeit brüskieren sie auch arme, ahnungsvolle Mädchen. Sergeant Lindsay Boxer und ihr überaus attraktiver Partner Conklin werden ermitteln. Doch vorerst überprüfen sie die junge Prostituierte Junie Moon. Ein anonymer Hinweis ist eingegangen, jemand will den seit Monaten vermissten Sohn des Ex-Gouverneurs in der Nacht seines Verschwindens bei Junie gesehen haben. Der arme Michael Campion litt an einem Herzfehler, kriminalistische Kombinationsgabe könnte also nahelegen, dass der junge Mann aufgrund seiner Krankheit in den Armen der Lust dahingerafft wurde. Zumindest muss der Sache nachgegangen werden. Und Junie Moon legt tatsächlich bald ein Geständnis ab: Sie habe den jungen Campion nicht nur sterben lassen, sondern weitaus Schlimmeres getan.

Passt gar nicht zu dem netten Mädchen, dieses widerruft auch umgehend, doch ist es dafür bei einem so medienträchtigen Fall bereits zu spät. Längst hat Yuki Castellano, ihrerseits Lindsays beste Freundin und Staatsanwältin, das Parkett betreten. Womöglich soll dies ihr schwerster Fall werden: Ein widerrufenes Geständnis, keine Zeugen, keine Beweise, nicht einmal Indizien, die gegen die Angeklagte sprechen, und keine Leiche! Yuki bleibt vorerst optimistisch, wäre da nicht der überaus verführerische Starautor Twilly, der sonderbare Ziele zu verfolgen scheint. Wenn Twilly dann noch eine „furchterregende Grimasse“ schneidet und unverständlicherweise Yuki überallhin verfolgt, stellt sich die Frage, ob dies ungebührliche Verhalten Einblicke in das wahre Ich dieses Mannes gestattet.

Der Prozess nimmt seinen Lauf, das Polizistenleben ruft, und Lindsay und Conklin jagen die Brandstifter, fahren von einem Tatort ratlos zum nächsten und müssen sich teilweise „in die Niederungen der kriminalistischen Arbeit begeben“, zu einem Pfandleiher beispielsweise. Derweil kommt die Bedrohung Lindsay gefährlich nah. Aber Partner Conklin ist gewieft, und vielleicht schlummert die Antwort auf die Frage – Wer war’s? – ja auch im Internet.

Abstrus


Lindsay verbringt bei all den aufreibenden Ermittlungen eine Menge Zeit mit Partner Conklin, der ihr die leidenschaftlichen Gefühle, die sie in ihm erweckt, längst nicht mehr verschweigt. Derartige Geständnisse können natürlich Verwirrung stiften, doch liebt Lindsay allein ihren Traummann Joe. Und während dieser sie rührend bekocht, mit dem Hund um die Blocks läuft und nachts immer zur Stelle ist, wenn Lindsay ihn braucht, spukt in deren Kopf rastlos Rich Conklin. Können die drei Freundinnen, Yuki, die mit dem knallharten Prozess und ihrem Star-Autor selbst genug Probleme hat, die Top-Journalistin Cindy oder die kluge, hochschwangere Pathologin Claire, bei Lindsays Liebeswirrungen helfen?

Allem Anschein nach sind Die 7 Sünden auf heftiger Rotation aufgebaut und bleiben doch nur ein Spiel auf Zeit. Abstrus verbaute Motive und Anleihen aus Film, Literatur und Realität ersetzen die Handlung, wobei dem Autorenduo nur wenig Zeit geblieben scheint, den Text ernstlich zu konstruieren. Im altbekannt flotten Stil jagen sich kurze Kapitelchen und verstraucheln einen Twist nach dem nächsten auf abseitigen Umwegen und in ärgerlichen Sackgassen. Das Timing gaukelt spektakuläre Hetze vor, scheint aber eher auf schlecht getarnter Fantasielosigkeit begründet. Die aberwitzigen Drehs, der Triple-Showdown könnten das absolvierte Erzählkarussell dennoch zur leichten, amüsanten Sommernachts-Unterhaltung werden lassen, doch sind hier die Winkelzüge nicht virtuos durchtrieben eingebaut, sondern rätselhaft wirr und willkürlich. Und so bleibt trotz aller Hast und Hektik ein eher statischer Text, der völlig ohne Raffinesse oder Flair im angetäuschten Galopp ins Ziel stolpert.

 

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