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Freitag, 25. Mai 2012 | 22:48

Lisa Lutz: Little Miss Undercover

19.09.2009

Die Spellman-Akten

Manchmal entscheidet sich auf den ersten zwei Seiten, ob mir ein Roman gefällt oder nicht. Gefällt er mir, ist es nicht schwer, weiterzulesen und das Befinden zu bestätigen oder zu widerlegen, gefällt er mir nicht, ist es ein harter Kampf bis zum Ende. Bei Little Miss Undercover war, trotz des Lauren-Weisberger-Blurbs auf dem Cover „Das witzigste Buch“, ersteres der Fall. SABINA SCHUTTER amüsiert sich.

 

Man mag der Autorin von Der Teufel trägt Prada eigentlich kein Urteil über Humor zutrauen, aber Little Miss Undercover ist tatsächlich eines der witzigsten Bücher 2009. Also sehen wir über die offenbar notwendige Propaganda hinweg. Izzy Spellman arbeitet seit ihrem 14. Lebensjahr für die Detektei ihrer Eltern „Spellman Investigations“. Das bedeutet nicht nur, dass sie seit mehr als 14 Jahren Menschen observiert, sondern auch, dass sie seit 28 Jahren unter ständiger Beobachtung ihrer Eltern steht. Menschen mit Müttern würden das als gegeben betrachten, doch Mutter und Vater, Schwester und o­nkel Spellman lassen es nicht dabei bewenden: Abhören, verfolgen, fotografieren und einbrechen gehören bei dieser Familie dazu wie bei anderen der Sonntagsbraten. Über den neuen Freund wird zunächst die Sozialversicherungsnummer (Ich liebe Geburtstage – wann war Ihrer?) in Erfahrung gebracht und er wird beim Besuch zunächst gefragt: „Fällt es Ihnen schwer, auf Drogen zu verzichten?“ Was Izzy einerseits nicht weiter stört, aber zum Problem wird, als ihr ein Mann (Ex-Freund Nr. 9) wirklich gefällt.

Niedlich? Nein!

Der Titel des Buches deutet schon darauf hin: Die Hauptfigur ist eigentlich nicht Izzy, sondern ihre kleine Schwester Rae, die bereits im Grundschulalter besser observiert als ihre Eltern und früh herausfindet, dass in einer Familie, in der Privatsphäre zum höchsten Gut zählt, jeder erpressbar ist. Dies mündet in der Entführung des Glückshemdes von o­nkel Ray.

So zusammengefasst klingt die Geschichte wenig originell und der Titel deutet auf eine verniedlichte Familiengeschichte hin, das Cover tut sein Übriges. Sicher ist der Autorin kein politisches oder psychologisches Meisterstück gelungen, aber der Roman hat alles, was er braucht. Einen Spannungsbogen, der mich gestern Abend vom Schlafen abhielt – und ich war und bin müde; einen Humor der mich zum lauten Lachen bringt – ohne, dass es mir peinlich ist, ordentlich ausgearbeitete Figuren, Wortspiele, Ebenen-, Zeit- und Textartwechsel, die sauber eingefügt sind. Es ist aber nicht nur die technische Sorgfalt, die Little Miss Undercover auszeichnet. Details, die nur Detektiven auffallen könnten, lassen das Gefühl entstehen, als Leserin nicht nur unterhalten zu werden, sondern dass die Autorin auch selbst Spaß an der Geschichte hatte.

Lauren Weisberger ärgert sich in ihrem Blurb übrigens darüber, dass sie das Buch nicht selbst geschrieben hat – das kann ich gut verstehen und pflichte ihr bei, sie könnte ja einfach mit dem Schreiben aufhören. Von Little Miss Undercover ist eine Fortsetzung angekündigt und ich freue mich ehrlich darauf, denn es ist mir gestern Abend schwer gefallen, die letzte Seite umzublättern.

 

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