Thomas Kistner: Fifa-Mafia Men in Black 3 - jetzt im Kino! von Michael Ebmeyer David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Freitag, 25. Mai 2012 | 22:48

Marc Bourgne: Frank Lincoln

19.09.2009

Ermittlung eiskalt

Man nehme einen Ex-Cop mit Alkoholproblem, gebe eine spurlos verschwundene Ehefrau bei, rühre eine pubertierende Tochter unter, serviere das Ganze im nördlichsten Bundesstaat der USA, und fertig ist ein Krimi der etwas anderen Art: Marc Bourgnes Comic Frank Lincoln . Von FALK STRAUB

 

Frank Lincoln ist ein verbitterter Mann. Seit seine Frau vor fünf Jahren spurlos verschwand, ist er auf der Flucht. Aus Angst vor neuen Beziehungen stürzt er sich in seine Arbeit, seinen Kummer ersäuft er in der täglichen Flasche Bourbon. Darunter leidet besonders seine Tochter, die sich in der Pubertät ein klein wenig mehr Rat und Beistand von ihrem Vater erhofft hätte. Frank Lincoln konzentriert sich jedoch nur auf das, was er wirklich kann. In seinem neuen Job als Privatdetektiv hat er schließlich genügend Erfolge vorzuweisen. Und auch beim Trinken macht ihm so schnell keiner etwas vor. Im Umgang mit Frauen hat er hingegen so seine Schwierigkeiten: Für die Probleme eines heranwachsenden Mädchens mangelt es dem harten Knochen schlichtweg an Empathie.

Salz in der Suppe

Damit hat der französische Zeichner und Szenarist Marc Bourgne alle Zutaten für einen spannenden Krimi bereitet. Trotz aller Anlagen seines Protagonisten zum „lone wolf“ ist Frank Lincoln kein „hardboiled“-Comic geworden. Zwar hat Lincoln einen enormen Nikotin- und Alkoholverbrauch, ist im Umgang mit Waffen eiskalt und übt eine erstaunliche Anziehungskraft auf das weibliche Geschlecht aus, macht davon aber nur im Notfall Gebrauch: Er tötet ausschließlich, wenn das eigene Leben in Gefahr ist, mit Frauen steigt er nur dann ins Bett, wenn es die Ermittlungen voranbringt. Das versoffene Raubein bleibt nebenberuflich eben doch ein zwar häufig überforderter und unbeholfener, aber treusorgender Vater und Ehemann, der seine Frau auch fünf Jahre nach ihrem Verschwinden nicht durch eine andere ersetzen will. Die Mischung aus Arbeitswut und Pflichtbewusstsein, Verzweiflung und Hoffnung ist es dann auch, die Frank Lincoln das nötige Salz in der Krimisuppe verleiht. Neben der konfliktgeladenen Ausgangskonstellation im Privaten und gefährlichen Fällen im Beruf, hält vor allem die Suche nach der verschwundenen Ehefrau den Ermittler auf Trab und die vier Geschichten zusammen, die in zwei Bänden nun erstmals auf Deutsch vorliegen.

Eine Prise Norden

Marc Bourgne würzt die Kriminalfälle um den Privatdetektiv zusätzlich mit einer Prise Exotik. Anstatt den aufwallenden Brodem des nächtlichen Molochs Großstadt durchstreift Frank Lincoln die klaren, schneebedeckten Weiten Alaskas. Dementsprechend ungewöhnlich fallen Schauplätze und Fortbewegungsmittel aus. Den Platz von U-Bahn und Taxi nehmen Helikopter, Wasserflugzeug und Geländewagen ein. Es wird auf Bohrinseln, Bäreninseln und mitten in der Wildnis ermittelt. Dem Szenaristen Bourgne gelingt dabei ein überzeugendes Bild des hohen Nordens, das sich in präzisen Beobachtungen nordamerikanischer Innen- und Außenansichten des Zeichners Bourgne niederschlägt und sicherlich seinem großen Interesse am 49. Bundesstaat der USA geschuldet sein dürfte: 1989 schloss Marc Bourgne sein Studium mit einer Abhandlung über Alaska ab und bereits sein erster Comic Être Libre ist in den eisigen Gefilden angesiedelt. Gelungen ist auch die Kolorierung Bruno Pradelles, die in ihren besten Momenten den Wechsel der Jahreszeiten durch eine Verschiebung der Farbskala subtil unterstreicht.

Fader Beigeschmack

Trotz der spannenden Geschichten, die meist eine Mixtur aus Thriller und Whodunit darstellen, mischt sich unter den Lesegenuss ein fader Beigeschmack. Einerseits stoßen die teils hanebüchenen Plots übel auf, die für das beschauliche Alaska mit seinen rund 700.000 Einwohnern dann doch etwas zu sehr nach ganz großem Hollywood-Kino schmecken. (So tummeln sich neben großspurigen Gangsterbossen geklonte Sektenkinder.) Andererseits hätten vor allem die Dialoge etwas mehr Pep vertragen, kommen sie doch allzu häufig hölzern, umständlich konstruiert oder schlichtweg zu lang daher. Marc Bourgne neigt leider an vielen Stellen dazu, dem Leser die Fakten über Sprechblasen von hinten durch die Brust ins Auge zu schießen, wo besser nur die Bilder gesprochen hätten oder manche Dinge unausgesprochen geblieben wären. Dies führt zu Sätzen, die im wahren Leben so nie fallen würden und denen man ihren einzigen Zweck – die reine Informationsvermittlung – deutlich anmerkt. Dem Szenaristen Bourgne seien daher vom Zeichner Bourgne für die kommenden Geschichten etwas realistischere Dialoge und Geschehnisse ans Herz gelegt. Dann steht einem uneingeschränkten Krimigenuss nichts mehr im Wege.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

TITEL-Kulturmagazin bietet regelmäßig Neuigkeiten aus Literatur, Musik und Film. Unabhängig und kompetent - seit über 10 Jahren!

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Dichter und Diplomat

»Ich erzähle von Dingen, die mich sehr stark geprägt haben. Zum Beispiel, der Spanische Bürgerkrieg aufgrund der vielen Republikaner, die in Mexiko Zuflucht suchten und die ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Raubbau an Körper und Seele

In Stiche erzählt David Small die Geschichte seiner Kindheit und Jugend im wissenschaftshörigen Amerika der ...

Kampf der Superlative

Wenn ausgerechnet Incal-Autor Alejandro Jodorowsky, der inzwischen auch »Heilung durch Kunst« betreibt, die Geschichte des mächtigsten Killers des Universums erzählt, ...

Elektronische Findlinge

Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...

Back for good

Zwei interessante Wiederveröffentlichungen aus den 70ern, vorgestellt von TOM ASAM.

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...