Kommissarin Irene Huss arbeitet sich entsetzt in die Tiefen des Internets ein und ist froh, dass ihre Töchter aus dem Gröbsten raus sind. Die Göteborger Polizei arbeitet unter Hochdruck, doch die Suche in der Anonymität des Internets verläuft zäh. Schließlich greifen die Ermittler zu einem riskanten Plan: Sie stellen eine Falle, mit einem Lockvogel, dem der Mörder nicht widerstehen kann. Er beißt an – und durchschaut die Falle …
Noch ein Netz
Die Polizei hat schon alle Hände voll zu tun, doch parallel läuft eine zweite Ermittlung: In einem ausgebrannten Haus bringt die Abrissbirne eine mumifizierte Leiche zum Vorschein. Seit Jahrzehnten im Keller eingemauert, wirft sie nun viele Fragen auf: Hat der schwedische Geheimdienst im Zweiten Weltkrieg eine Verschwörung aufgedeckt? Und welches Geheimnis trägt der alte Diplomat, der damals in Moskau arbeitete? Die Verjährung des Mordes droht, also mobilisiert die Polizei ihre Beinahe-Pensionäre, die sich nicht vor staubigen Aktenstapeln fürchten: Die Cold-Cases-Gruppe. Der Blick in die schwedische Geschichte fördert ein weiteres Netz zutage, in dem eine Information wertvoller sein konnte als Menschenleben.
Internetkriminalität und Geschichte
In ihrem achten Band der Irene Huss-Reihe nimmt sich Helene Tursten eines hochaktuellen Themas an: Der Kampf gegen Pornografie im Internet steht inzwischen sowohl bei der Europäischen Union als auch bei der Bundesregierung auf der Tagesordnung. „Grooming“ klingt nach Hätscheln und Pflegen, aber gepflegt wird damit nur die Illusion des Vertrauens in das Gegenüber im Chatroom. Die Autorin beschreibt anschaulich, wie schwierig Ermittlungen in diesem Bereich verlaufen können, und vermittelt eine düstere Ahnung von den Abgründen des Internets. Die Einblicke in die Rolle Schwedens im Zweiten Weltkrieg können bei deutschen Lesern die Neugier auf mehr geschichtliche Details wecken. Die Autorin bedient die beiden Handlungsstränge in einem gleichmäßigen Takt, dadurch ist man unter anderem damit beschäftigt, nach einer Verbindung zwischen den beiden zu suchen. Wer die anderen Bände dieser Reihe kennt, darf sich auf die vertrauten Figuren wie den politisch unkorrekten Jonny freuen. Im Revier gibt es eine neue Vorgesetzte, mit der Irene Huss nicht zurechtkommt. Außerdem sorgt sie sich um ihre Mutter, deren Gesundheitszustand sich immer mehr verschlechtert.
Die Grenzen zwischen dem beruflichen und dem privaten Leben der Hauptfigur Irene Huss sind fließend, so dass der Leser ihre Entwicklung leicht nachvollziehen kann. Helene Tursten beschreibt auch blutige Szenen deutlich, aber nicht drastisch, und sehr persönliche Erlebnisse der Kommissarin mitfühlend, aber nicht sentimental. Dieser Stil, zusammen mit dem aktuellen Thema, macht dieses Buch lesenswert.