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Freitag, 25. Mai 2012 | 20:38

Martin Walker: Bruno Chef de Police

24.10.2009

Nett, knuffelig und doof ...

Ach ja, immer diese Marketing-Bücher. Frankreich, Essen, Morden ... Peter Mayle hat vor Jahren ein paar nette Ideen und auch vom Essen wirklich was verstanden. Der neueste Lifestyle aus dem Kombinationslabor hat dann doch ein paar Macken im Design. ANNA VERONICA WUTSCHEL ist nicht sehr begeistert.

 

Es gibt eine böse Welt. Doch das Leben ist schön. Und die Franzosen pflegen dieses Wissen: Sie zelebrieren das Savoir Vivre, genießen la bonne cuisine und frönen charmant der Maxime chercher la femme. Herrlich ist’s in Frankreich, in der Provinz vor allem, dem Périgord beispielsweise. Und selbst ein schrecklicher Mord kann das Paradies nur kurz erschüttern. Wie man Klischee über Klischee zu einer fabelhaften Welt von Bruno, Chef de Police, türmt, aus einem spannenden Kriminalfall einen netten Schmonzetten-Bestseller bastelt, zeigt der renommierte Journalist Martin Walker mit seinem Debüt. Und das ist dann leider so gar nicht magnifique!

Aber bezaubernd! An einem der herrlichsten Fleckchen der Welt geht es betulich zu, die Natur ist einzigartig, das Wetter herrlich und das Essen pure Verführung. Wie auch die Männer der Region. Bruno Courrèges z. B., der Chef de Police von Saint Denis, ist ein echter Fang: Er ist schön, er ist klug, ein beachtlicher Heimhandwerker, meisterlicher Koch mit einem Notizbuch voller Rezepte, ein leidenschaftlicher Hobbygärtner. Er verbringt seine Zeit mit den Kindern der Stadt, lehrt sie das Tennis- und das Rugbyspiel, macht die Frauen glücklich. Und so liebt und schätzt ihn jede(r) im Ort. Was wiederum seine Arbeit erleichtert, denn selbst im kleinen Saint Denis geht ab und an ein Portemonnaie verloren, ein Käse wird geklaut, ein Gärtner arbeitet illegal. Und seit einiger Zeit muss man sich auch noch mit den Inspektoren aus Brüssel herumärgern, die mit der strengen Überwachung der EU-Hygienevorschriften das jahrhundertealte fröhliche Treiben auf den heimischen Märkten bedrohen.

Ein Mord, ein Mord!!!

Dann geschieht ein Mord. Hamid Mustafa al-Bakr, ein algerischer Immigrant, der Vater des Schullehrers und Großvater des Café-Besitzers, wird brutal erstochen. Das Verbrechen an dem mit dem croix de guerre ausgezeichneten Kriegshelden scheint rassistisch motiviert, und so ermittelt die nationale Polizeibehörde und bringt die schöne Inspectrice Isabelle nach Saint Denis. Rasch scheint man die Täter gefunden zu haben, Jugendliche, die für den Front National, die Ultrarechten, rekrutiert wurden. Bruno, der die Stadt und seine Einwohner wie seine Westentasche kennt, ist den Ermittlern der Police Nationale überaus hilfreich - doch dann nimmt der Fall eine erschütternde Wendung. Mit Hilfe der kompetenten Kollegin Isabelle und der feschen Engländerin Christine, die sich bestens in französischer Geschichte auskennt, stößt Bruno unvermittelt auf Vergehen, die zur Zeit der Besatzung, zur Zeit der Résistance geschahen und noch heutzutage hoch explosiven Sprengstoff bergen.

Nach einer schweren Jugend und harten Militärzeit, in der Bruno viele Schicksalsschläge verkraften musste, lebt er nun am ‘Ende des Märchens’ in beruhigender Eintracht mit sich und der Welt. Die kleinen Schrulligkeiten seiner Mitmenschen spielt er mit klug überlegener Freundlichkeit aus. Und Martin Walker, der schottische Autor, ist bemüht, diese traumhafte Harmonie durch kein Schrämmchen, kein Kratzerchen zu stören. Der Kriminalfall ist bestens erdacht, der Rückblick in ein dunkles Kapitel französischer Geschichte clever gestrickt, die hochaktuelle politische Brisanz der Ereignisse, die aus den Zeiten von Krieg, von Résistance, über die Jahrzehnte bis in die Gegenwart dunkle Schatten werfen, feinst in die Story hineingeschrieben.

Soooo schlimm isses auch wieder nicht …

Doch die um den Fall gezogene Hochglanzbeschaulichkeit, in der Nächstenliebe und Menschlichkeit unerschütterlich regieren, will nicht überzeugen. Das Böse zieht wie dunkle Wolken über Saint Denis, aber die Stadt lässt sich trotz kurzer Verwirrung nicht beirren; selbst das eitle, übereifrige Vorgehen eines Karrieristen aus Paris kann durch ein Gespräch unter Männern, in vernünftig ruhiges Fahrwasser gelenkt werden. Bruno und sein Freund der Bürgermeister taktieren wie zwei Vollblutpolitiker für das Wohl ihrer Freunde, für das Wohl der Stadt. Ja, für das Wohl Frankreichs. So frappierend heimelnd war es noch nie. Selbst nicht im Märchen. Aber, wie sagt man gleich: La vie est belle!

 

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