Wenn ich früher meiner Mutter sagte, dass ich eine bestimmte Marmelade gerne esse, hat sie mich mit Gläsern derselben überhäuft. Das machte die Marmelade nicht unbedingt attraktiver. Meist war nach dem zweiten Glas Schluss mit der Zuneigung und die verbleibenden acht verrotteten. Zur Enttäuschung meiner Mutter. Die Autorin des zweiten Teils der Spellman-Saga (und dies ist nicht der letzte) Die Spy Girls, Lisa Lutz, ist ein bisschen wie meine Mutter, fürchte ich.
Der erste Teil der Spellman-Saga Little Miss Undercover war wirklich komisch. Die Geschichte einer Detektiv-Familie mit entsprechend verschrobenen Mitgliedern war interessant, der Schreibstil leichtfüßig und witzig. Die Details wie Listen, Fußnoten und eigenartige Abkürzungen machten den Charme des Buches aus. Dazu kam eine einfallsreiche Geschichte, die sowohl zu Lach- als auch zu Rührungstränen führte.
Teil zwei Die Spy Girls soll ganz offensichtlich an diesen Erfolg anknüpfen. onkel Ray als Antagonist zur heimlichen Protagonistin Rae ist tot (großes Problem: denn was hat durch gefühlte 20 Bände Harry Potter geführt? Dass der Held ausreichend Anti-Helden hatte), dafür gibt es jetzt Henry Stone, den rechtschaffenen Inspektor, der Rae auf den rechten Weg führen will. Izzy hat immer noch keinen Freund und soll wieder den einen oder anderen Liebeswirrwarr erleben. Die Eltern sind noch immer Detektive und schnüffeln ihre eigenen Angehörigen aus. Izzy und ihr detektivisches Gespür haben diesmal den Nachbarn, einen jungen und attraktiven Landschaftsgärtner, im Visier. Ihre Nachstellungen führen zu Verhaftungen und anderen Pannen. Die Geschichte ist insgesamt schon recht holprig und trägt mehr schlecht als recht durch den Roman. Was nicht weiter schlimm wäre, denn Lisa Lutz hat im Erstling bewiesen, dass sie mit Gefühl für Details und Humor auch Schwächen der Story ausbügeln kann. Leider ist ihr zwischen Erst- und Zweitling dieses Gefühl abhanden gekommen und so greift sie recht wahllos zu den Erfolgsrezepten von Little Miss Undercover.
Nicht witzig!
Rae ist die freche kleine Schwester und hat nun statt onkel Ray Henry Stone als Freund. Ihre Dialoge werden bereits als „Die Stone & Spellman Show“ eingeleitet und damit ist klar: Das soll witzig sein. Wenn ein Witz angekündigt wird, ist er meist zum Scheitern verurteilt, wenn der Witz auch noch mäßig ist, fehlt einfach etwas. Die Dialoge sind nämlich nicht witzig, nicht lustig, nicht geistreich. Nein. Gleiches gilt für die beinahe auf jeder Seite eingestreuten Fußnoten. War das im ersten Teil noch ein funkelndes Detail, wirkt es nun mühsam, kieselig, schwer – und es ist mühsam, wenn ich auf der Suche nach dem Humor die Fußnoten lesen muss und auch dort enttäuscht werde.
Insgesamt sind Die Spy Girls mehr vom Selben, bei abnehmender Qualität. Das finde ich schade, denn es deutet auf geringe Aufmerksamkeit und Sorgfalt hin, was ich weniger akzeptieren kann als mangelndes Talent.
Ein dritter Teil ist bereits auf Englisch erschienen und lässt nach erstem Hineinlesen in die Dialoge zwischen Izzy und ihrem Therapeuten etwas Hoffnung aufkeimen.