Pferde und Engel
Fabelhafte Figuren, an deren Perspektiven der Leser schnelltaktig teilhaben darf, rasante Dialoge und bös’ in den Text geschlenzte Realität machen aus Stadt der Verlierer eine amüsante Lektüre. Da ist Spandau, der Privatermittler mit dem beim Rodeo gequetschten Daumen und den Cowboy-Ambitionen. Der harte Ex-Stuntman leidet an gebrochenem Herzen, ist er doch immer noch in seine Ex-Frau verliebt und hat eine Schwäche für ein sehr trauriges Pferd. Da ist sein Klient wider Willen, der aufgehende Stern am Hollywood-Himmel, dessen Streben nach Liebe ihm genauso gefährlich werden könnte wie die Publicity-Klausel in seinem Millionen-Dollar-Vertrag. Da ist Potts, der menschliche Ausrutscher, dem das Selbstvertrauen ausgetrieben wurde, der auf nichts zu hoffen wagt und dem das Glück ganz unerwartet die Türen einrennt. Und da ist der kleine irische Giftzwerg Terry, der, in diversen Kampfsportarten ausgebildet, der perfekte Mann für Spezialaufträge ist – wäre er nicht so ein Womanizer, dem die Hormone querschlagen.
Und dann ist da noch L.A., die Stadt der Engel, die zur großen Protagonistin wird. Die wirft Depp ganz derb aufs Papier. „To write about a City, you either have to love it or hate it, or both“, formulierte einst Chandler. Und viel deutet in Stadt der Verlierer auf eine dieser turbulent inspirierenden Hasslieben hin, die Depp mit der Traumfabrik verbindet. Los Angeles ist hier eine urbane Landschaft, deren Verheißungen an jeder Ecke größer sind als das Dekor, das sie tatsächlich bietet. Macht, Geld, Sexyness und Hässlichkeit verschmelzen zu einem harten Rhythmus, auf den die Stadt es anzulegen scheint. Depp steuert durch ein traurig asphaltiertes, lasterhaftes L.A., wo sich direkt hinter der Illusion die Schmerzgrenze verbirgt.