Erlebte Geschichte
Niemand anderer als Pavel Kohout selbst kennt diese Prozesse aus eigenem Erleben. Er, 1928 in Prag geboren, galt zunächst als große Hoffnung der Kommunistischen Partei. Als deren Mitglied war er einer der Wortführer des Prager Frühlings. Nach dessen Scheitern wurde er 1969 aus der KSC ausgeschlossen. Er war Mitverfasser und Unterzeichner der Charta 77. Der heute 82-Jährige hat präzise Erinnerungen an seine frühen Jahre als politisch engagierter Dichter und er leiht seine Gedanken, Gefühle und sogar Gedichte (jedoch lediglich in der tschechischen Ausgabe!) seiner Figur, dem jungen Dichter Jan Soukup.
Dessen Liebe zu der Schauspielerin Kamila kann ihn nicht davon abhalten, seinen opportunistischen Weg in der Partei weiter zu gehen und frühere Ideale zu verraten. Spätestens hier trennen sich die Wege von Autor und Hauptfigur, an diesem Punkt verortet Kohout die moralische Verwahrlosung seines Helden: Soukup verrät schließlich nicht nur seine Liebe, sondern auch einen Teil von sich selbst. Er zerstört das Leben anderer und wird schließlich sogar zum (subtilen) Mörder seiner großen Liebe. Während Felix Fischer ins Gefängnis geht, nimmt sich Kamila Nostitzová durch Erhängen das Leben.
Soukup, für seine Bespitzelungen von der Partei inzwischen mit dem Posten des Chefredakteurs der Zeitung Rude Pravo belohnt, hat letztlich nur noch die Aufgabe zu entscheiden, wie groß der Nachruf für die ehemals gefeierte Schauspielerin ausfallen soll. Er entscheidet sich für „Zwanzig Zeilen im Kulturteil. Auf Seite 6.“ Die Schlinge zieht sich zu – ein nahezu unaufhaltsames Moment in Kohouts Romanen, die mit wenigen Ausnahmen kein gutes Ende nehmen. Auch dieser Roman hinterlässt die böse Ahnung, dass man niemandem trauen sollte, der einem gut gesonnen scheint. Und schon gar nicht der vermeintlich großen Liebe.