Kaum ein Buch in den letzten Jahren, das mich in Atem gehalten hat wie Roger Smith’ Erstling. Der Mann versteht was von Tempo, es schnell zu entwickeln und dann auch noch hoch zu halten. Und auch wenn man das nicht für eine Kunst hält, sondern für eine Technik, dann muss man trotzdem bewundernd feststellen, dass der Mann erzählen kann. Bis zur letzten Szene funktioniert das blendend, wenn Jack Burn, der Amerikaner aus Cape Town, die Sonne sieht und „dann nichts mehr“.
Smith versteht auch eine Menge von der südafrikanischen Gesellschaft, schließlich ist er im Land groß geworden. Also weiß er, worüber er schreibt, wenn er das Buch mit den beiden blutigsten Klischees aus dem weißen Beschwerdekanon eröffnet.
Das ist 1.: Die Schwarzen überfallen uns in unseren Häusern.
Und zum 2.: Die Schwarzen beobachten uns permanent, um festzustellen, wann sie uns überfallen können.
Je nachdem, wo man sich gerade herumtreibt, werden diese Beschwerden unterschiedlich formuliert. In den vielen Leserbriefen, die weiße Südafrikaner schreiben, geht es um die außer Kontrolle geratene Kriminalität und um die Regierung, die nichts dagegen tut, noch nicht mal die Todesstrafe wieder einführt. Das ist noch die harmloseste Form. Auf der Party oder im Pub sieht das schon anders aus. Wenn man unter sich ist, beginnt jeder gesprochene Absatz mit „Since the blacks took over …“. Folgend die üblichen Dinge, siehe oben. Aber wirklich interessant wird es erst in den Foren der Zeitungen, wo anonym nichts so erbittert geführt wird wie die Debatten um die „swaart gevaar“, wie es früher einst hieß. Da steht dann oft nicht mehr „die Schwarzen“, sondern „die Wilden“ oder gar „die Tiere“. Natürlich wird in Häuser eingebrochen. Ob die Bewohner dabei weiß sind, ist den Überfallenden aber meistens egal. Beliebt ist zum Beispiel die Betrachtung, die Armen, die die Mülltüten der Reichen auf Essbares durchwühlen, seien in Wirklichkeit nur daran interessiert, Einbruchshäuser auszuspionieren.