Das ominöse Schwert des Marschalls
Soininvaara beginnt mit einem alten, blinden Mann, der sein Leben der Aufgabe gewidmet hat, ein geheimes Dokument zu hüten: Das Schwert des Marschalls. Dieser Marschall ist Carl Gustav Emil Mannerheim, Oberbefehlshaber der „weißen“ bürgerlichen Truppen im Finnischen Bürgerkrieg 1918, Held des Winterkrieges gegen die Sowjetunion, später finnischer Staatspräsident und heute noch Nationalheiliger. Das „Schwert“ darf nicht in die Hände der falschen Personen gelangen, aber natürlich sind ihm genau diese schon auf den Fersen. Der Alte vertraut nur seinem Sohn, dieser aber hält ihn für einen tyrannischen Fanatiker und hat keinen Kontakt mehr zu ihm – keine gute Basis für einen dringenden Auftrag.
Die besessene Figur des alten Otto Forsman gehört zu den besten dieses Thrillers: Wie er in seinem Versteck hockt und nur König Lear und die Reden Marschall Mannerheims hat, um sich daran aufzurichten, das ist herrlich verzweifelt, hilflos und düster.
Als Kontrast dazu schickt der Autor ein buntes Trüppchen auf die Jagd nach dem Geheimdokument, das „den russischen Staat zum Einsturz bringen kann“; Ottos Sohn Eerik, Kommissar Ratamo und eine – natürlich – attraktive Fremdenführerin Taru, die den beiden helfen soll, sich in den Wäldern Lapplands zurechtzufinden. Ein bisschen schwermütig und einsam sind sie alle, jeder für sich genommen, also tut der Autor dem finnischen Klischee insoweit Genüge. Die Drei werden vom russischen Geheimdienst, der russisch-orthodoxen Kirche und einem Auftragskiller verfolgt, das sorgt für spannende Momente, wenn der verschwitzte Suchtrupp von russischen Hubschraubern beschossen wird und sich erst nach und nach der Bedeutung seiner Mission bewusst wird.
Aber leider ist Taavi Soininvaara selbst so sehr von den historischen Verwicklungen begeistert, dass er seine Leser damit ermüdet. Nach einer Weile ist man die kursiven Einschübe leid, die das Verhältnis Finnlands zu Russland behandeln und verliert den Überblick.
Für Leser mit Interesse an historischen und politischen Verflechtungen ist Der Finne sicher eine anregende Lektüre. Alle anderen packen sich am besten noch eine Taschenlampe ein, denn bis die Auflösung kommt, kann es spät werden.