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Samstag, 04. Februar 2012 | 12:55

Christine Lehmann: Notorisch Nerz

15.05.2010

Meine Carrie heißt Lisa

Christine Lehmann gehört mit ihren Lisa-Nerz-Romanen zur ersten Garde der deutschen Kriminalliteratur. Jetzt gibt es auch eine Sammlung von Lisa-Nerz-Storys. SABINA SCHUTTER hat sich sofort darüber hergemacht …

 

Es gibt Frauen, die kaufen immer schwarze flache Schuhe, weil sie denken, die schwarzen Schuhe, die sie haben, passen zu nichts. Dann gibt es Frauen wie mich, die dem Krimibuchhändler ihres Vertrauens auf die Nerven gehen, weil sie „irgendwie so was wie Chicklit – aber nicht so unemanzipiert“ lesen wollen. So Frau Lehmann, jetzt bitte nicht an die Decke gehen, der Vergleich hinkt, ich weiß.

 

Aber andererseits passt der Vergleich auch. Denn Lisa Nerz ist genau die Frau im Kriminalroman, die ich immer gesucht habe, sie ist meine Carrie Bradshaw (Erläuterung: die Hauptfigur von Sex and the City, Journalistin in New York). Eigentlich mag Lisa Nerz die Sachen, die andere Frauen auch mögen: Kleidung, Stilveränderung, ihren Dackel, Männer, Frauen. Sie hat einen ‚Mr. Big‘, der bei ihr der „Lebensabschnittsirrtum Richard“ heißt. Nur dass Lisa nicht mit überdimensionierten Blumen am Revers und 8-cm-Jimmy-Choos durch New York stöckelt, Diät macht und Cosmopolitan trinkt, sondern eben in Boots und Lederjacke durch Stuttgart im Porsche fährt und eher einem Pils zuspricht. Im Ergebnis ist das auch bequemer und Stuttgart ist zumindest insofern interessanter als New York, als kein Übersetzer auf die Idee kommt, schwäbisch in einen Fantasieslang zu übersetzen. Was – analog gedacht – bei einem Krimi aus Brooklyn durchaus vorkommen kann.

 

Lokalkolorit ungleich Regio

Notorisch Nerz ist eine Sammlung bereits veröffentlichter Kurzkrimis, jeweils versehen mit Kommentaren von Christine Lehmann und teilweise mit netten Fußnoten. Kurzgeschichten mit Serienfiguren kranken am immerwährenden Erklären der Vorgeschichte, das umgeht Lehmann gekonnt. Der Klappentext stimmt auch: Gerade für Einsteiger eröffnet sich das Spektrum um die Serienfigur, ihre Facetten und Erfahrungen. Lisa wird flirtend gezeigt, unsicher, ängstlich, kaltschnäuzig, smart, schnell und offen. Wenn die schwäbische Bevölkerung in den Kontakt zu unserer Serienfigur kommt, ist sie scharf erkannt aber nicht bloßgestellt und gerade für frisch nach Süddeutschland migrierte Personen ist Lokalkolorit in Krimiform ein guter Einstieg.

 

Manches wiederholt sich, so Richards asymmetrischer Blick, aber Lisa ist ja auch verliebt – mehr oder weniger. Anderes ist grandios formuliert: „wir gabelten stumm“ ist ein Lehrbuchbeispiel für den gezielten Einsatz von Adjektiven (!). Gerade mit diesen wird im üblichen Frauenkrimi gern verschwenderisch umgegangen (mitunter wahllos) und auch das macht Frau Nerz zu einer meiner Lieblingsfrauen im deutschsprachigen Krimi.

 

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