Henderson Dores ist Kunsthistoriker mit dem Spezialgebiet Impressionismus und wird zu einem Kunstsammler geschickt, um dessen Sammlung zu schätzen. Er landet im tiefsten Georgia und wird in eine dysfunktionale, ehemals vermögende Familie eingesaugt. Doch die Dysfunktion ist nicht das einzige Problem, ein wesentlich bedeutenderes ist es, dass der Sohn der Familie offenbar in Probleme verwickelt ist, die sich kaum ohne Gewalt lösen lassen. Daneben stürzt unser Held von einigen interkulturellen Anpassungsschwierigkeiten in verschiedene amouröse Verwicklungen. Unter anderem versucht er seine, seinerzeit auf dem College geheiratete, zwischenzeitlich geschiedene, erneut verheiratet und wieder geschiedene Jugendliebe zurückzugewinnen, ohne wirklich sicher zu sein, ob sie eigentlich mehr als eine Projektion seiner Jugend ist. Und das macht das Buch neben dem nicht spannungslosen Handlungsbogen so lesenswert. Die für William Boyd typische schmucklose Betrachtung dessen, was zwischen Menschen passiert, ist so treffend, so sicher beschrieben, dass ich ihm eigentlich nie begegnen möchte. Denn er würde die tief sitzende Armseligkeit (na ja, oder so) meiner Person mit einem Blick erkennen und, wenn ich Glück habe mit drei Worten beschreiben.
Das Buch ist ein Krimi, weil Menschen getötet, mit dem Tode bedroht, erpresst und verprügelt werden, weil die Liebe ein Verbrechen sein kann, weil Kunst zerstört wird und weil ein Roadmovie und eine einzigartige Fluchtszene durch New York vorkommt. Es lohnt sich als eiserne Reserve für den Urlaubskoffer und kann vor der Abreise im Hotelflur abgelegt werden, denn die wichtigen Dinge bleiben im Kopf.