Thad Krasnesky, David Parkins: Ich mach, was ich will - ich bin doch noch klein
21.11.2011
Wir werden nicht als Egoisten geboren, wir werden ...
Kleine Kinder sind süß. Äuglein, Näschen, Öhrchen, Patschhändchen, einfach herzig. Ganz klar, dass es auch einmal schief gehen kann, wenn so putzige Fingerchen nach etwas greifen. Daran kann man dem goldigen kleinen Wesen nicht die Schuld geben. Sagen Erwachsene. Sie übersehen dabei allerdings etwas. Gleich, wie süß kleine Kinder sein mögen, eins sind sie nicht: dumm. Thad Krasnesky und David Parkins beweisen es in ihrer witzigen Geschichte Ich mach, was ich will - ich bin doch noch klein. Von MAGALI HEISSLER
Schon der schön feste und griffige Einband dieser großzügig bebilderten Geschichte zeigt die Heldin in allen Lebenslagen ihres gerade dreijährigen Daseins. Lara heißt das kleine Ding und sie verfügt über eine Mimik, deren Charme selbst im wildesten Wutanfall unwiderstehlich ist. Schon schlägt man das Buch auf, um mehr über sie zu erfahren.
Lara ist der jüngste Zuwachs bei Papa, Mama, Bruder Tom und Teenager-Schwester Susi. Und alle, alle lieben sie. Vor allem Mama. Lara findet das nicht nur großartig, sondern auch richtig. Wem sonst gehört die Welt? Prompt zieht sie aus, ihren Besitzstand nach allen Regeln ihrer Kunst zu sichern. Für die Familie, einschließlich Gecko Leon, brechen harte Zeiten an.
Leben in der Lara-Diktatur
Krasneskys Geschichte ist von der Handlung wie von Erzählweise her durchaus für Kinder konzipiert und diese werden Laras Streich mit höchstem Vergnügen genießen. Laras Einfälle sind im Grund einfach, aber sie zeitigen die tollsten Ergebnisse. Unsere Heldin ist zielgerichtet, konsequent und entschlossen.
Das Gleiche gilt für den Autor. Daher ist seine Geschichte zugleich eine für Eltern, und zwar eben für die Sorte, denen Laras hervorstechende Eigenschaften fehlen. Es ist vom ersten Moment an deutlich, dass Laras egoistisches Verhalten nicht angeboren, sondern anerzogen ist. Mamas Beschwichtigungen sind es, die ihrer Jüngsten eben die fatale Ausrede ins Köpfchen setzen, die das Kind dann vor jeder drohenden Klemme hervorzieht, wie eine Falschspielerin das As aus dem Ärmel. So gerät die Familie unter die Lara-Diktatur.
Abenteuergeschichte und Erziehungsratgeber in einem
Das Buch ist nicht nur eine äußerst witzige innerfamiliäre Abenteuergeschichte, sondern ziemlich ungeschminkt auch ein Erziehungsratgeber. In diesem Genre wirkt die Geschichte ebenso witzig, die wunden Punkte aber werden unnachsichtig berührt. Schnell wird deutlich, dass alle Beziehungen in die Schieflage geraten sind. Die älteren Geschwister haben unter der geforderten Rücksichtnahme auf die Allerkleinste zu leiden, das Verhältnis der Eltern zueinander ist nicht im Gleichgewicht. Mamas Parteinahme ist zu einseitig. Die Geschichte ist ein sehr durchdachter Beitrag zu der alten Frage, ob Kinder Grenzen brauchen, aber ebenso durchdacht auch eine Mahnung an Erwachsene, sich Grenzen zu setzen und daraus resultierenden Spannungen auszuhalten, nicht glattzubügeln. Schließlich sind Erwachsene nicht mehr drei Jahre alt.
Die Differenziertheit und Sensibilität, mit der das Problem diskutiert wird, findet sich in den Illustrationen von David Parkins wieder und wird dort noch betont. Die widerstrebenden Gefühle der Betroffenen, die Bemühungen, auf Mamas liebe Bitten hin den Ärger auf Lara zu schlucken, Laras wachsende Raffiniertheit beim Vermeiden von Strafen, all das ist bis ins kleinste Detail in Haltung, Gestik und vor allem Mimik der Figuren zu finden. Die Lebendigkeit und Lebhaftigkeit der Geschichte strahlt aus dem prächtigen Wasserfarbenbunt mitten ins Herz der Leserinnen und Leser. Von wo aus es hoffentlich auch den Kopf in puncto Kindererziehung erhellt.
|
Götter verstehen keinen Spaß
Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...
No sleep till Pixel
Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...
Elektronische Findlinge
Aus dem Harz oder vom Bosporus – viele Wege führen in eine der zeitgenössischen Kreativ-Metropolen für Top-Produzenten elektronischer Musik ...
Valium im schwarzen Anzug
Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...
Galgenmännchen auf Finnisch
Freiheitsdrang und Träume können riskant sein. Wie riskant, muss der 12jährige Taifun erfahren, der zu seinem eigenen Besten in eine besondere Schule geschickt wird, dem Haus der ...
Licht wo zu viel Schatten lag
Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...
Mathias Tretter möchte nicht dein Freund sein - Tourplan 2012
»Kabarettisten sind von der schnellen Truppe, zumal solche wie Tretter, die nicht dem allfälligen Comedy-Genre anhängen, sondern richtiges, politisches Kabarett machen ...« ...
No sleep till Pixel
Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...
|