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Freitag, 25. Mai 2012 | 20:49

Nikola Huppertz / Joëlle Tourlonias: Alma, ganz klein

23.01.2012

Gefühle sind mächtig

Gefühle können eine ganz schön durchschütteln, egal, wie alt man ist. So glücklich, dass man die Welt umarmen möchte, so lebendig, dass man Bäume ausreißen könnte, so ängstlich, dass man in einem Mauseloch verschwinden möchte, so tief traurig, dass man Sturzbäche weint. Alles übertrieben und gegen jeden Verstand. Trotzdem fühlt es sich wahr an. Alma muss das in Nikola Huppertz' Geschichte Alma, ganz klein durchmachen. Wir fühlen mit ihr. Von MAGALI HEISSLER

 

Alma hat eine beste Freundin, Sarah. Mit Sarah kann man herrlich spielen, vor allem, wenn man so viele verrückte Einfälle hat, wie Alma. Auf einmal aber ist das alles vorbei. Sarah hat keine Lust mehr, mit Alma zusammen zu sein. Sie sitzt jetzt lieber bei den ›Coolen Mädchen‹, der kichernden Gang mit den Glitzerstickern. Die Coolen finden Alma völlig uncool. Ihre Spielideen sind kindisch, ihre Geschichten langweilig. Die ganze Alma ist langweilig.

 

Alma fühlt sich scheußlich. Ob das von der Karamellcreme kommt, die es zum Mittagessen in der Kita gab? Plötzlich passiert etwas, das bestimmt nichts mit der Karamellcreme zu tun hat. Alma wird klein. Und kleiner. So klein, daß sie in ein Mauseloch passt. Und dahinein schlüpft sie. Was sie dort unten erlebt, das kann nur eine wie Alma erleben.

 

Die Schmerzen der Zurückweisung

Mit diesem kurzen Büchlein für Leseanfängerinnen hat sich Nikola Huppertz an ein trauriges Thema gewagt, dem sich jedoch auch sehr junge Kinder stellen müssen, der plötzlichen Zurückweisung durch andere. Alma leidet, weil die bislang beste Freundin mit einem Mal nichts mehr vor ihr wissen will. Die Erfahrung ist offenbar neu für sie, zunächst kann auch ein einfallsreiches Kind, wie eben Alma, gar nicht fassen, was passiert. Sie spürt nur, dass es weh tut. Am liebsten möchte sie verschwinden, eine direkte Reaktion auf das Verhalten der anderen, die sie ausschließen.

 

Hupperts erzählt in knappen, einprägsamen Sätzen, die den emotionalen Schmerz der kleinen Protagonistin fühlen lassen. Erzählerisch geschickt wird der Schmerz gleich darauf in Spannung überführt. Auf Tränen folgt Lachen.

 

Selbstsicherheit zurückgewinnen

Die Abenteuer in der Erdhöhle sind lustig ausgedacht, die neuen Freunde, allesamt Gestalten mit besonderen Eigenheiten, sind überzeugend und kindgerecht, ohne albern zu sein. Dass Papageno angeführt wird, ist allerdings ein Ausrutscher, Die Zauberflöte ist entgegen der sich neuerdings epidemisch ausbreitenden Ansicht definitiv keine Kinderoper. Ein Pluspunkt dagegen ist eine muntere und liebenswerte Spinne, eine immer noch viel zu seltene Figur in der Kinderliteratur.

 

Die Eigenheiten der neuen Spielgefährten helfen Alma, zu ihren eigenen Besonderheiten zu stehen. Tatsächlich gewinnt Alma mit dem Rückzug in die eigene Fantasiewelt ihre Selbstsicherheit zurück. Zu sich selbst stehen ist wichtig, auch wenn es weh tut, ist eine gute Lehre, die kleine Leserinnen aus dieser Geschichte mitnehmen.

 

Die Illustrationen von Joëlle Tourlonias entsprechen der gleichzeitig sparsamen wie bedeutungsvollen Wortwahl von Huppertz. Was erzählt wird, wird gezeigt, in Vignetten, kleinen Zeichnungen und ganzseitigen Illustrationen. Braun- , Gelb- und Rottöne machen das Ganze lebendig und verleihen ihm eine eigene Charakteristik. Im Unterschied zu dem, was die Sätze vermitteln, sind Zeichnungen und Farbgebung eher Trostspenderinnen, eine interessante Ergänzung.

 

Ein angefügtes Leseübungsheft hilft Anfängerinnen mit Verständnisfragen und kleinen Spielen. Der Bücherbär aus Plastik, der am Lesebändchen hängt, mag für Kinder gedacht und auch Markenzeichen der Reihe sein, ist aber ein falsches Signal in unserer von Plastik zugemüllten Welt – gerade bei Kinderbüchern.

 

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