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Freitag, 25. Mai 2012 | 20:50

 

Anna Gavalda: 35 Kilo Hoffnung

26.04.2004

 


Raus aus der Schule !


Anna Gavalda entwirft nach ihren beiden Erfolgen für Erwachsene in ihrem ersten Jugendbuch das Bild eines Jungen, der nicht in unsere Gesellschaft passt.

 

Der 13jährige David ist das, was man als „Versager“ bezeichnen könnte. Zumindest, wenn man den Maßstab anlegt, den Erwachsene meistens an 13jährige anlegen: die Schule. David ist schon zweimal sitzen geblieben, an Schule, Unterricht, Klassenarbeiten und Zeugnisse kann er nur mit Magenschmerzen denken. Erfolgserlebnisse kennt er nicht und er wechselt von einer Schule zur anderen. Zuhause ist es ein Drama.

Dabei ist David nicht dumm, er hat nur überhaupt kein Interesse an der Schule. Seine Leidenschaft gilt dem Basteln. Im Werkzeugschuppen seines Großvaters wächst er über sich hinaus, tüftelt, plant, entwirft, konstruiert, baut, sägt, schmirgelt und lackiert. Dort fühlt er sich wohl und genießt auch die Gesellschaft des einzigen Menschen, der zu ihm hält. Denn egal, ob die anderen Erwachsenen ihn für einen hoffnungslosen Fall halten, der Großvater erkennt das Potential, das in ihm steckt.

Anna Gavalda entwirft nach ihren beiden Erfolgen für Erwachsene in ihrem ersten Jugendbuch das Bild eines Jungen, der nicht in unsere Gesellschaft passt. Sie lässt David selbst zu Wort kommen und was er erzählt, wirkt authentisch, überzeugend und anrührend. Er will nur eins: raus aus der Schule. Aber ein Schulabschluss ist in unserer Gesellschaft nun einmal der Schlüssel für den weiteren Lebensweg. Die Lage scheint aussichtslos und die gestressten Eltern sehen in einem Internat die einzige Lösung. Vielleicht gäbe es da sogar eine Schule, der David etwas abgewinnen könnte. Aber die Aufnahmebedingungen sind aussichtslos für eine Niete wie ihn. In seiner Verzweiflung schreibt er einen Brief. Und dann geschieht etwas, was die Situation für David ändert.

Davids Bericht macht nachdenklich. Er zwingt uns, das Schulsystem genauer unter die Lupe zu nehmen und die Rolle, die Eltern spielen. Braucht es die großelterliche Distanz um hinter den Noten auch noch den Menschen zu sehen? Kann man sich nicht auch eine Schule vorstellen, in der für Schüler wie David Platz ist? Aber wenn es die nicht gibt, muss man dann nicht die Zähne zusammenbeißen und die Schule, so wie sie ist, bestmöglich hinter sich bringen? Ein poetisches kleines Buch über das Erwachsenwerden in unserer Welt. 

Andrea Wanner


Anna Gavalda: 35 Kilo Hoffnung
Zeichnungen von Claas Janssen.
Aus dem Französischen von Ursula Schregel.
Bloomsbury 2004. Gebunden. 86 Seiten.
ab 12. 12,90 Euro.
ISBN: 3-87294-948-9

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