Ludvik Askenazy: Hasen pfeifen nicht.
12.05.2004
Kein Bilderbuch wie viele andere
Askenazy erzählt eine beschwingt-ironische Geschichte darüber, dass nicht jeder alles können kann und auch nicht können muss.
Ein Hase ist von dem Wunsch beseelt, pfeifen zu lernen. Und wenn sich ein Hase in einem Bilderbuch so etwas vornimmt, dann klappt das im Allgemeinen auch – egal wie wahrscheinlich oder unwahrscheinlich die Sache ist. Wir haben uns alle längst an fliegende Schweine, Rad fahrende Bären und balancierende Elefanten gewöhnt, der Wunsch pfeifen zu lernen, erscheint vergleichsweise banal.
Der Hase macht sich also auf den Weg. Er weiß genau, wer ihm das Pfeifen beibringen könnte. Murmeltiere sind die Experten im Pfeifen schlechthin. Ein Problem liegt nur darin, dass Murmeltiere ausgesprochen scheu sind. Aber auch dieses Hindernis wird überwunden, denn das Murmeltier, das längst von dem Hasen weiß, sagt sich: „Ich bringe ihm das Pfeifen bei. Er wird es sowieso nie lernen.“
So geschieht es. Der Hase übt und übt, aber es wird nichts, obwohl er durchaus begabt ist. Und schließlich gibt er auf.
Also doch kein Bilderbuch wie viele andere. Der bereits 1986 verstorbene Schriftsteller Ludvik Askenazy erzählt eine beschwingt-ironische Geschichte darüber, dass nicht jeder alles können kann und auch nicht können muss. Liebevoll begleiten die Illustrationen Katja Wehners die Parabel, die den Tieren das Tiertypische lassen und sie trotzdem wunderbar mit menschlichen Empfindungen ausstatten. Eigenwillig nutzt sie den Raum auf den querformatigen Doppelseiten, überrascht mit einem Wechsel zwischen Simultandarstellungen, gestellt wirkenden Gruppenaufnahmen und Bildern, die wie missglückte Schnappschüsse wirken. Ein herzerfrischendes, originelles Bilderbuch, das lakonisch eine schlichte Weisheit verkündet: Hasen pfeifen nicht.
Andrea Wanner
Ludvik Askenazy: Hasen pfeifen nicht.
Mit Illustrationen von Katja Wehner.
Aufbau-Verlag 2004. Halbleinen. 28 Seiten.
Ab 4 Jahren. 15 Euro.
ISBN: 3-351-04052-0