Gedichtbände für Kinder sind oft aufwändig gestaltete Wälzer im Großformat, die sich mit ihren Schmankerln der Dichtkunst vor den neugierigen Ohren im Bücherregal verstecken. Hausbücher dieser Art sind beliebte Geschenke zur Geburt oder Taufe: wunderschön, aber nichts für den täglichen Gebrauch. Dabei sind es gerade kurze Gedichte, die man im Wartezimmer des Kinderarztes oder im Bus vorlesen kann. Da kommt das von Annette Langen (die alle von ihren Briefen an Felix kennen) zusammengetragene Vielerlei im Taschenbuch genau richtig.
Neben zahlreichen bekannten Namen wie Eduard Mörike, Josef Guggenmos, James Krüss, Heinrich Hoffmann von Fallerlsleben, Michael Ende, Christian Morgenstern, Ernst Jandl oder Gina Ruck-Pauquèt finden sich viele unbekannte. Zielgruppe sind in erster Linie jüngere Kinder, denen im Bilderbuch heute viel zu oft Gereimtes vorenthalten wird. Quatschgedichte, Sprachspiele, Aufwach- und Einschlafgedichte, Unerhörtes aus dem Tierreich oder Naturbeobachtungen, Liebeerklärungen und kritisches Hinterfragen: die ganze Bandbreite kindgeeigneter Lyrik wird abgedeckt. Sich verzaubern lassen von Morgensterns großem Lalula, das so wunderbar fremd in unseren Ohren klingt: „Kriklokwafzi? Semememi! Seiokrontro –prafirplo: Bifzi, bafzi; hulalemi: quasti basti bo…“, einer Unterhaltung zwischen Reisewecker, Brillenbügel, Tiefkühltruhe und Standuhr lauschen oder philosophieren, was denn nun eigentlich Glück ist: Pech, wer auf dieses Vergnügen verzichtet! Jutta Neundorfer hat ein paar Strichzeichnungen zwischen die Gedichte eingestreut, die es nicht wirklich braucht. Zuhören ist viel wichtiger! Was sagt den jetzt die Nadel zum Luftballon? Und wer beantwortet die Fragen einer Ananas? 120 Überraschungen warten darauf, ausgepackt, gelesen und gehört zu werden.
Andrea Wanner
Annette Langen (Hg.): Die Nadel sagt zum Luftballon.
Gedichte, die Kindern und Eltern Spaß machen.
Herder Spektrum 2004. 160 Seiten.
Für alle. 8,90 Euro.
ISBN: 3-451-05485-X