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Freitag, 25. Mai 2012 | 20:54

 

Jonathan Stroud: Bartimäus.

06.09.2004

 
Ein unschlagbares Duo

Es nimmt kein Ende mit den Zauberer- und Hexenbüchern – aber wenn jemand mal wirklich eine gute, neue Idee hat wie der Engländer Jonathan Stroud im ersten Buch seiner Bartimäus-Trilogie, stürzt man sich voller Eifer auch gern mal wieder in ein Zauberabenteuer.

 

Stroud arbeitet mit zwei Helden und zwei Perspektiven, aus denen er berichtet. Der eine Hauptdarsteller ist Bartimäus, der Namensgeber des Buches, ein arroganter und rücksichtloser Dschinn, der bereits 5000 Jahre alt ist. Der andere ist Nathanael, ein gerade mal zwölfjähriger Zauberlehrling. Aber auch diesem Anfänger in magischen Dingen mag man seine Sympathie nicht unbedingt schenken: Nathanael steht Bartimäus in Selbstüberschätzung und Hochmut in nichts nach. Aber der Reihe nach:
Wir befinden uns im London einer Epoche, in der die Zauberer das Sagen haben und an der Macht sind. „Normale“ Menschen gibt es auch, aber die haben in diesem Reich wenig zu melden – und sind entsprechend unzufrieden (sich andeutenden Umsturzbestrebungen spielen eine kleine Rolle, werden uns aber sicher in Teil 2 oder 3 der Trilogie noch weiter beschäftigen). Die Zauberer, so mächtig sie wirken, haben zwei Probleme: zum einen können sie gar nicht selber zaubern, sondern müssen das „richtige“ Zauberwesen machen lassen. Das sind – in absteigende Rangfolge – Mariden, Afriten, Dschinn, Foliote und Kobolde. Die Magier haben die besondere Macht, diese Wesenheiten beschwören zu können und sie sich zu Diensten zu machen. Das andere Handikap, mit dem sie zu kämpfen haben, besteht darin, dass sie keine Kinder haben dürfen. Um ihr Wissen weiterzugeben, müssen sie gewöhnliche Kinder adoptieren und diese ausbilden. Und nun prallen so ein zaubermächtiger Dschinn – Bartimäus – und ein selbstgerechter Anfänger mit viel Talent – Nathanael – aufeinander. Das nur, weil Nathanael, der sich von seinem strengen Meister und dessen Kollegen gedemütigt fühlt, einen miesen kleinen Racheplan in die Tat umsetzt und dazu den Dschinn ruft. Die Sache ist nicht nur für Nathanael eine Nummer zu groß: ausgerechnet das Amulett von Samarkand soll Bartimäus für ihn beschaffen. Welche Lawine er damit ins Rollen bringt, wird ihm zu spät klar.

Wahnsinnig spannend setzt Stroud sein Abenteuer um, kreiert die aberwitzigsten Wesen und schafft mit Bartimäus und Nathanael zwei unvergessliche Helden, die in so gar keine Schublade passen wollen. Zaubern ist hier nicht so ein bisschen Hokuspokus, sondern anstrengende Arbeit, die von der Pike auf gelernt sein will. Und wen das alles noch nicht überzeugt, dem seinen die Fußnoten im Text empfohlen, in denen Bartimäus auf höchst unkonventionelle Art mit uns plaudert, gnadenlos angibt und uns zum Lachen bringt. Ein unschlagbares Duo, bei dem man sich auf Überraschungen gefasst machen darf!

Andrea Wanner




Jonathan Stroud: Bartimäus.
Das Amulett von Samarkand.
Aus dem Englischen von Katharina Orgaß und Gerald Jung.
Bertelsmann 2004.
Gebunden. 540 Seiten.  18,90 Euro.
ab 12 Jahren.
ISBN: 3-570-12775-3

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