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Freitag, 25. Mai 2012 | 20:55

 

Hanna Jansen: Gretha auf der Treppe. Ab 10

17.11.2004

 
Das Au-Pair-Mädchen Gretha

Hanna Jansen reflektiert in „Gretha auf der Treppe“ durch die Erlebnisse des Au-Pair-Mädchens Gretha in Deutschland und ihre Erzählungen über ihre Heimat die Lebensverhältnisse von Deutschen und Kolumbianern.

 

Der Vater der Zwillinge Lump und Jule ist als viel beschäftigter Journalist in den Krisenregionen der Welt unterwegs und die Mutter will wieder arbeiten. Auf die beiden Kinder soll ein Au-pair-Mädchen aus Kolumbien aufpassen. Lump – der eigentlich Magnus heißt – und Jule sind empört: Für einen Babysitter sind sie längst zu alt. Aber als die Studentin Gretha dann mit dem Flugzeug landet, sind beide hingerissen von dem freundlichen Mädchen, das in seiner direkten Art sofort alle Herzen gewinnt und mit dem Haustier in seinem Gepäck für Aufregung sorgt.

Deutscher Alltag durch die Augen einer jungen Kolumbianerin. Warum ist die Haustüre für Freunde verschlossen und wird erst nach dem Klingeln und Nachfragen an der Sprechanlage geöffnet? Haben die Deutschen auch Angst vor Bandidos? Warum wissen die Zwillinge nicht, wie ihr Nachbar heißt? Neugierig und unbefangen stellt Gretha so manches in Frage und erzählt im Gegenzug von ihrer Heimat. Sie berichtet von den Schildkröten, die ihr Bruder gesammelt hat und die plötzlich der Reihe nach verschwinden oder vom Wunsch ihrer kleinen Schwester nach einem richtigen Christbaum.

Das Leben in ihrer eigenen Großfamilie, in der elf Kinder aus aller Welt eine neue Heimat fanden, liefert Hanna Jansen immer wieder neue Ideen und Impulse zum Schreiben. Statt karibischem Kitsch präsentiert sie jungen Lesern auch in ihrem neuen Roman – eingebettet in eine spannende deutsche Familiengeschichte – viel Information über ein fremdes Land und für uns unvorstellbare Lebensbedingungen. Dazu gehören Kinder, die schon früh hart arbeiten müssen und ihren Teil zum Lebensunterhalt der Familie beitragen auf der einen Seite, intakte nachbarschaftliche Strukturen und viel Solidarität auf der anderen. Wenn Gretha auf der Treppe sitzt und von ihrer Heimat erzählt, ergeht es einem auf jeden Fall wie Lump: man möchte die Augen schließen und nur noch Grethas Stimme hören, „die wie Wellen leise auf und ab schwingt.“ Und während in Deutschland der erste Schnee fällt, zieht mit Grethas Worten der Sommer ein.

Andrea Wanner




Hanna Jansen: Gretha auf der Treppe
Mit Bildern von Barbara Korthues.
Thienemann 2004.
Ab 10 Jahren.
222 Seiten. 10,20 Euro.
ISBN: 3-522-17597-2

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