Schließlich kennt sie genug andere Tiere, die es ihrer Meinung nach wunderbar haben: der Chinchilla Pierre, der siamesische Kater Oscar, das Kaninchen Nibbels oder der Scotchterrier Andi sind einfach zu beneiden. Zum einen um ihr Zuhause, zum anderen aber um ihren Namen. Aber wer will schon eine braune Ratte als Haustier? Und einen anderen Namen als „Verflixter Ratz“ hat der kleine Nager noch nie zu hören bekommen. Das Leben ist nicht einfach, wenn einen keiner will und einem alles Hab und Gut regelmäßig genommen wird – nämlich immer dann, wenn die Müllabfuhr die Eimer leert. Und dann liegt eine traurige Ratte einsam im Müll, macht es sich mit einem alten Teebeutel als Kopfkissen und einer leeren Chipstüte als Decke so gut es geht gemütlich und blickt sehnsüchtig zu den hell erleuchteten Fenstern empor. Aber eines schönen Tages nimmt die vorwitzige Ratte ihr Leben selbst in die Hand und preist sich selbst in einem Zoogeschäft als wunderbares Haustier an.
Die Collagen, mit denen Laureen Child ihre liebenswerte Geschichte untermalt, sind einfach wunderbar. Da besteht das Hundebild an der Wand aus einem echten Foto während der Terrier auf dem karierten Stoffsofa ein wuschelig gezeichneter Krikelkrakelhund ist. Auf bunt gemusterte Tapeten- und Stoffreste oder knallig einfarbige Hintergründen tummeln sich die Figuren und schlägt der Text Purzelbäume. Mal groß, mal klein turnen die Buchstaben über die Seiten und wird die Schrift zum ergänzenden Gestaltungsmittel. Jede Buchseite ist ein opulentes kleines Kunstwerk für sich: witzig, fantasievoll und immer wieder verblüffend. So wie auch der Schluss der Geschichte überrascht. Natürlich gibt es ein Happy End. Aber ein ziemlich unerwartetes. Man gönnt es der kleinen Ratte von Herzen!
Andrea Wanner
Laureen Child: Verflixter Ratz
Aus dem Englischen von Sophie Birkenstädt.
Carlsen 2004. 32 Seiten. Gebunden.
Bilderbuch ab 4 Jahren. 15 Euro.
ISBN: 3-551-51623-5