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Freitag, 25. Mai 2012 | 20:55

 

Victor Caspak / Yves Lanois: Die Kurzhosengang. Ab 10

23.12.2004


Hier werden Träume war

Vier ganz normale Elfjährige wachsen in gefährlichen Situationen über sich hinaus, bewahren in dramatischen Augenblicken einen kühlen Hof und kriegen die Sache in den Griff.


 

Vier Jungs, zusammen gerade mal vierundvierzig Jahre alt, erobern die kanadischen Herzen. Aber Vorsicht: was nach der Übersetzung eines kanadischen Bestsellers aussieht, könnte ein Geniestreich des – angeblichen – Übersetzers und – wahrscheinlich einzigen – Autoren der haarsträubenden Geschichte Andreas Steinhöfel sein. Vielleicht tut das wenig zur Sache, nur die vom „Übersetzer“ eingefügten Fußnoten, die dem Abenteuer durch wissenschaftliche Fundierung eine ironische Note geben und vor allem etwas ältere (oder gar erwachsene) Leser unterhalten und zum Schmunzeln bringen, runden die unglaublichen Erlebnisse der vier ins Rampenlicht gerückten Knaben so gekonnt ab, dass eine andere Urheberschaft eigentlich nicht in Frage kommt.

Neugierig geworden? Zu Recht! Vier Freunde sind auf dem Weg in ein Fernsehstudio, um ihre Geschichte zu erzählen. Vor laufenden Kameras berichten nun der Reihe nach Rudolpho, Island und Snickers von ihren aufregenden Erlebnissen und wie sie sich den Namen Kurzhosengang erwarben. Am Ende ergänzt ein innerer Monolog des ewigen schweigsamen vierten Gangmitglieds Zement die Ereignisse. Was den Vieren widerfahren ist, ist in der Tat unglaublich. Die Darstellungen der vier Helden sind jeweils eigene Geschichten, die ein ganz anderes Erlebnis in den Mittelpunkt stellen: eine vom Sturm weggefegte Schule, Geburtshilfe in einem eingeschneiten Auto, der Besuch eines Grizzlybären im Wohnzimmer und eine Beinahe-Zugkatastrophe.

Warum die Vier dabei mitten im kanadischen Winter dabei in kurzen Hosen auftreten, ist ein Aspekt, der in den Storys zur Sprache kommt. Wahre Helden wie Rudolpho, Island, Snickers und Zement schrecken vor keiner Tat zurück. Je nach Temperament und Naturell variiert der Blickpunkt auf die Wagnisse – zu Widersprüchen kommt es allerdings nicht wirklich. Wie ein Puzzle setzt sich das Buch aus den Einzelberichten zusammen. Wovon träumen elfjährige Jungs? Davon, mal selber am Steuer eines Autos zu sitzen. Ihre Lieblingseishockeyspieler auf dem Eis zu sehen. Ein wildes Tier zu bändigen. Hilflose Menschen zu retten. Mit dem eigenen Schutzengel zu plaudern.

Hier werden Träume war: vier ganz normale Elfjährige wachsen in gefährlichen Situationen über sich hinaus, bewahren in dramatischen Augenblicken einen kühlen Hof und kriegen die Sache in den Griff. Wie sie davon berichten, ist rührend und bewundernswert in einem. Ihr Zusammenhalt kennt keine Grenzen, ihre Furchtlosigkeit ist kaum zu übertreffen. Man muss sie kennen lernen: so, wie sie sich darstellen. Und so, wie Ole Könnecke sie in seinen urkomischen Bildern festgehalten hat. Man muss allerdings nicht alles glauben, was sie uns erzählen.

Andrea Wanner



Victor Caspak / Yves Lanois: Die Kurzhosengang.
Aus dem kanadischen Englisch und mit Anmerkungen von Andreas Steinhöfel.
Mit Bildern von Ole Könnecke.
Carlsen Verlag 2004.
208 Seiten. Gebunden.
Ab 10 Jahren.
12 Euro.
ISBN: 3-7915-2852-1,

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