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Freitag, 25. Mai 2012 | 20:57

 

Allen Kurzweil: Leon mit den linken Händen. Ab 11

20.01.2005


Haarsträubender Klamauk und subtiler Witz

Leon mit den linken Händen ist ein etwas tollpatschiger, sympathischer Held, der mit dem ersten Band einer Trilogie einen spektakulären und unbedingt lesenswerten Auftritt hat.

 

Wie wünschen wir uns Lehrer? Nett, geduldig, einfühlsam und motivierend. Jeder Schüler kann etwas und diese Stärken sollen Lehrer im Idealfall erkennen und fördern. Kinder mit linken Händen haben in der Schule so ihre Probleme. Was nützt es, wenn man im Sport gut ist, aber es einem an feinmotorischen Fähigkeiten mangelt? Leon kennt das Problem. Er hatte es in der ersten Klasse, in der zweiten und wurde es auch in der dritten nicht los. Schwierig, wenn man in eine Schule geht, die das Motto hat: „Flinke Finger schaffen flinke Köpfe.“ Aber die Katastrophe erwartet ihn in der vierten in Gestalt von Miss Heckmeyer, der neuen Klassenlehrerin.

Das Einzige, was die merkwürdige Dame, die schon rein äußerlich stark an eine Hexe erinnert, zu interessieren scheint, sind die textilhandwerklichen Fähigkeiten ihrer Schützlinge. Monat um Monat muss jeder ein Stofftier produzieren, das eine vorgeschriebene Anzahl von SaZZ – Stiche auf zehn Zentimeter – haben muss, um vor den strengen Augen von Miss Heckmeyer zu bestehen. Das „Anima-Projekt“, wie sie es nennt, wird für Leon zum Alptraum. Schon sieht es aus, als müsse er die Klasse wiederholen. Wegen Handarbeit! Aber er lässt nicht locker und macht sich mit verbissenem Eifer an das geforderte Meisterstück. Er hat sich für eine naturgetreue Nachbildung seiner Lehrerin entschieden und die fertige Puppe überrascht nicht nur durch ihre Ähnlichkeit und ihren Detailreichtum sondern verbirgt ein verblüffendes Geheimnis: mit ihr kann er wie mit einer Voodoo-Figur seine ungeliebte Lehrerin kontrollieren.

Die wundersamen Eigenschaften des „spitting image“ sind nur eine der kurzweiligen Überraschungen mit denen Allen Kurzweil auf über 300 Seiten die Leser in seinen Bann zieht. Das Hotel, in dem Leon mit seiner Mutter wohnt, und in dem vor allem tierische Gäste absteigen ist ebenso ein Kuriosum wie Leons Taxifahrersammlung. Haarsträubender Klamauk und subtiler Witz wechseln sich ab und man ist sich nie ganz sicher, was an der Geschichte wahr ist – oder wahr sein könnte. Jede Schublade steckt voller Geheimnisse, banale Geräte wie Eismaschinen scheinen ein Eigenleben zu führen. Und dann finden viele Merkwürdigkeiten doch wieder ganz logische, einleuchtende Erklärungen. Leon mit den linken Händen ist ein etwas tollpatschiger, sympathischer Held, der mit dem ersten Band einer Trilogie einen spektakulären und unbedingt lesenswerten Auftritt hat.

Andrea Wanner




Allen Kurzweil: Leon mit den linken Händen
Mit Vignetten von Bret Bertholf.
Aus dem Amerikanischen von Klaus Fritz.
Carl Hanser Verlag 2004. 328 Seiten. Gebunden.
ab 11 Jahren. 15,90 Euro.
ISBN: 3-446-20514-4


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