Schäfchenzählen ist out. Wahrscheinlich wurden die kuscheligen Vierbeiner schon zu oft und zu lange strapaziert, als dass der Trick noch funktionieren könnte. Aber was tun? Irgendwie müssen die lieben Kleinen ja einschlafen. Nadia Budde weiß Rat. Wem die Schafe nicht mehr helfen, der soll halt mal zu einem anderen Tier greifen. Die Auswahl ist nahezu unbegrenzt, es bleibt eher die Qual der Wahl. Die gilt es zunächst zu treffen. Ein kleiner Junge, der offensichtlich das Einschlafproblem kennt, wird von seinem Riesenteddy beraten: „Eins mit Borsten oder Feder oder Schuppen oder Leder. Ohne Zählen kannst du wählen zwischen Flosse, Flügel, Fell … entscheide schnell!“ Was für eine Hektik. In Gedanken marschiert eine ganze Arche-Noah-Tierladung an uns vorüber, wahrscheinlich geht es dem Jungen ähnlich. Welches Tier eignet sich für den Zählvorgang? Zum Glück liefert der freundliche Teddy konkrete Vorschläge. „Du kannst mit Hummeln schummeln oder mit Hummern schlummern.“ Ein bisschen Kartenspielen mit gewitzten Hummeln klingt nicht schlecht. Aber es ist Geschmacksache. Ein anderer findet es vielleicht gemütlicher sich zwischen friedlich schlafende Hummer zu kuscheln.
Das ist erst der Auftakt zu einem wahren Feuerwerk an hinreißenden Ideen, die das ganze Gebiet der Zoologie abgrasen. Ob Schaben oder Motten, Hasen, Pfaue oder Krokodile, Ziegen, Salamander oder Hasen: der liebenswerte Kuschelbär präsentiert in Wort und Bild seine Vorschläge für das Ersatzritual. Wer Nadia Buddes comicähnlichen Tier- und Menschenfiguren kennt, weiß auf was er sich freuen darf. Die kuriosen Binnenreime stecken voller Witz und sind in originellen Bilder umgesetzt: wenn Hyänen gähnen, Eulen heulen oder Meisen verreisen, Kröten tröten oder Forellen bellen. Das robuste Pappbilderbuch voller unvergesslicher Situationen hat das Zeug zum Lieblingsgutenachtbilderbuch – allerdings ohne Einschlafgarantie.
Andrea Wanner

Nadia Budde: Flosse, Fell und Federbett.Peter Hammer Verlag 2004. 28 Seiten. Gebunden.ab 3 Jahren. 12,90 Euro.ISBN: 3-7795-0010-8