Können wir Menschen des 21. Jahrhunderts, für die Flugzeuge, Computer und Handys eine Selbstverständlichkeit geworden sind, das Leben vor 6000 Jahren überhaupt noch vorstellen? Was war das für eine Zeit, in der die Menschen als Jäger und Sammler um ihr Überleben kämpften, es noch keine Schrift gab, das Rad noch nicht erfunden war und keine Möglichkeit, Metall zu gewinnen und zu verarbeiten?
Michelle Paver entführt ihre Leser in diese ferne Welt und erzählt in dem Auftaktband der Chronik der Wälder, die insgesamt sechs Bücher umfassen wird, die Geschichte des 12jährigen Torak.
Er und sein Vater leben als Jäger fast ohne Kontakt zu den übrigen Clans in der Wildnis. Fa hat seinem Sohn alles beigebracht, was ein Jäger können und wissen muss. Was er nicht getan hat, war Torak ein großes Geheimnis zu verraten, das für dessen weiteren Lebensweg entscheidend sein soll. Nun ist es zu spät: ein riesiger Bär hat den Vater angegriffen und tödlich verletzt. Zeit für Geständnisse und Anweisungen, Ratschläge und Offenbarungen bleibt dem Sterbenden nicht. Nur so viel: er vertraut seinem Sohn an, dass dieser Bär von einem Dämon besessen ist und das furchtbare Schicksal des gesamten Waldes werden könne, der alles Leben vernichtet. Er nimmt ihm das Versprechen ab, den Berg des Waldgeistes aufzusuchen und verspricht ihm für diese gefährliche Reise einen Gefährten.
Das Abenteuer in grauer Vorzeit hat alles, was ein packendes Jugendbuch braucht: atemlose Spannung, Mystik und Zauberei, geheimnisvolle Rätsel und dunkle Gefahren. Was das Besondere an Pavers Geschichte ausmacht, sind aber die fantastisch exakt recherchierten Lebensbedingungen von vor 6000 Jahren. Wie hat man gelebt? Wie hat man gejagt? Was hatte man für Kleidung? Wovon hat man sich ernährt? Seite um Seite fließen Informationen ein und machen Toraks Auftrag für uns lebendig und ungeheuer spannend.
Andrea Wanner

Michelle Paver: Wolfsbruder
Aus dem Englischen von Katharina Orgaß und Gerald Jung.
cbj 2004.
ab 12 Jahren.
Gebunden. 284 Seiten. 12,90 Euro.
ISBN: 3-570-12905-5