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Freitag, 25. Mai 2012 | 20:58

 

Paul Maar: Herr Bello und das blaue Wunder. Ab 8

24.03.2005


Konkurrenz für das Sams?

Blaue Punkte hat er zwar keine, aber was mit Bello, dem Hund von Max, passiert, könnte man schon als Sensation bezeichnen. Und nicht nur er erlebt in der höchst vergnüglichen Geschichte sein blaues Wunder.

 

Wenn zwei erwachsene Männer abends vor dem Kamin sitzen und sich Geschichten ausdenken, wird das Kindern in den meisten Fällen ziemlich egal sein. Wenn der eine aber Paul Maar ist, der Erfinder des Sams, und der andere Drehbuchautor Ulrich Limmer, der für die Sams-Filme verantwortlich ist, sollte man hellhörig werden. In der Tat haben die beiden gemeinsam etwas ganz Besonderes zusammengesponnen, das Paul Maar dann zu Papier gebracht hat.

Apothekersohn Max wünscht sich dringend einen Hund und der allein erziehende Vater – seine Frau hat ihn wegen eines neuseeländischen Krokodiljägers verlassen – erfüllt ihm diesen Wunsch schließlich auch. So weit, so gut. Gäbe es in der Apotheke nicht ein merkwürdiges Wundermittel, das der Großvater von Max’ Vater zusammengemixt hat. Apotheker Sternheim hält es nach einem beeindruckenden Zwischenfall für einen Wunderdünger: ein harmloses Pflänzchen, das ein paar Tropfen von dem Zeug abbekommt, wird zum gigantischen Riesenbaum. Was der blaue Wundersaft tatsächlich vermag, zeigt sich, als Bello davon probiert: aus dem Hund wird Herr Bello, ein Wesen, das auf zwei Beinen geht und – wenn auch zunächst nicht besonders deutlich – spricht. Wie erklärt man das Auftauchen so eines merkwürdigen Wesens den Nachbarn, wie Papas neuer Flamme und wie der Dame vom Jugendamt? Wie bringt man ihm Tischmanieren bei und gewisse Grundregeln der Hygiene? Herr Bello sieht zwar aus wie ein Mensch, benimmt sich aber immer noch ziemlich hundemäßig. Wer schon vom Sams hingerissen war, das unsere Welt und ihre Spielregeln hinterfragte, der wird auch von diesem Hund begeistert sein, der so gar nicht in das Schema eines angepassten Bürgers passt. Dabei ist Herr Bello ist nicht der einzige, den die blaue Flüssigkeit verwandelt hat, und auch sonst darf man sich auf Überraschungen gefasst machen.

Paul Maar erzählt aus zwei verschiedenen Perspektiven: er lässt einen Erzähler über die Ereignisse informieren und schildert das Unglaubliche aus dem Blickwinkel von Max. Spannung entsteht auch dadurch, dass von manchen Situationen zwei Mal berichtet wird: da merkt man, wie unterschiedlich die gleiche Sache je nach Standpunkt gesehen und interpretiert wird. Wer Paul Maar kennt, weiß, dass das nichts mit akademischer Spielerei zu tun hat, sondern dass es ganz einfach um den Spaß an der Geschichte geht. Und den hat man garantiert. Wie aus dem zotteligen Bello der geschniegelte Herr Bello wird, der sich zu allem Überfluss auch noch verliebt, hat Ute Krause in ihren Zeichnungen herzerfrischend in Szene gesetzt. Und am Ende wissen wir: wenn sich die richtigen Leute abends vor dem Kamin treffen, kann man in der Tat sein Wunder erleben!

Andrea Wanner


 
Paul Maar: Herr Bello und das blaue Wunder
Mit farbigen Zeichnungen von Ute Krause.
Oetinger 2005.
ab 8 Jahren.
224 Seiten. Gebunden.10,90 Euro.
ISBN: 3-7891-4251-4


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