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Freitag, 25. Mai 2012 | 20:59

 

An Na: Im Himmel spricht man Englisch. Ab 13

19.05.2005

Der Traum vom Glück

Eine koreanische Einwandererfamilie hofft auf ein besseres Leben in Amerika. Ein Fischer und seine Frau lassen ihre Heimat zurück, um mit ihrer kleinen Tochter in Amerika all das zu erreichen, was ihnen in Korea nie möglich sein wird. Aber wie so oft gibt es eine große Kluft zwischen Traum und Realität.

 

Miguk lautet das Zauberwort, das das Leben von Jonghu und ihrer Familie für immer verändern wird. Miguk bedeutet übersetzt nichts anderes als USA und ist für viele koreanische Familien gleichbedeutend mit Reichtum. In Jonghus Familie hat bereits die ältere Schwester den Schritt gewagt und ist in die USA emigriert. Staunend erlebt die kleine Miguk, wie von dort rundum verschnürte, dreckige braune Kartons kommen, die komische Spielsachen enthalten: „Zum Beispiel eines, das Klimper-klimper-Musik spielt, und ein Furcht einflößender Mann mit Regenbogenfarben im Gesicht und mit Haaren, die vom Kopf abstehen.“ Aber was es bedeutet, selbst mit den Eltern nach Miguk zu ziehen, ahnt das Kind nicht. Sie vermutet einen längeren Besuch bei der Verwandtschaft und lässt sich nach ihrem Schrecken über das „für immer“ erst trösten, als ihr die Großmutter erzählt, dass die Familie mit dem Flugzeug dorthin fliegen wird. Im Himmel, das ist ganz oben, da wo Gott wohnt. Und das aufgeweckte Mädchen schlussfolgert, Miguk müsse demnach im Himmel sein.

Wie wenig diese paradiesische Vorstellung sich mit der amerikanischen Realität deckt, muss die Einwandererfamilie schon bald erleben. Den Eltern, vor allem dem Vater gelingt es nicht, beruflich Fuß zu fassen. Er bleibt ein schlecht bezahlter Gelegenheitsarbeiter. Die Sprache stellt sich als fast unüberwindbare Barriere dar und die großen Pläne, die die Eltern für den in Amerika geborenen jüngeren Bruder von Jonghu machen, platzen wie Seifenblasen.
Erzählt wird die Migrantengeschichte konsequent aus der Sicht von Jonghu, die mit neuer, gelockter Frisur versucht, ein Miguk-Mädchen zu werden. Das ist nicht leicht, denn der frustrierte Vater verbietet ihr, sich mit amerikanischen Mädchen zu treffen.

Zwischen koreanischer Tradition und amerikanischem Traum muss sich Jonghu ihren Platz im Leben suchen. Sie tut es mit zähem Ehrgeiz, mit großer Neugierde und durchaus wachsender Raffinesse. Ihr Schicksal berührt und die Art davon zu erzählen, ist sprachlich unvergleichlich gekonnt, originell und überraschend. Ausgerechnet Jonghu, der man vorwirft immer nur zu träumen, findet einen mutigen Weg, ihre Wünsche in die Tat umzusetzen.

Andrea Wanner


 
An Na: Im Himmel spricht man Englisch.
Aus dem amerikanischen Englisch von Cornelia Krutz-Arnold.
Sauerländer, 2005.
Gebunden. 182 Seiten. 13,90 Euro.
Ab 13 Jahren.
ISBN 3-7941-8028-3

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