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Freitag, 25. Mai 2012 | 20:59

 

John Halliday: Gewitterfische. (Ab 10)

30.05.2005

Ein toller Fang

Es gibt Bücher, die spielen mit ihrem Leser. Die schüren Erwartungen, führen in die Irre und gelegentlich ganz schön an der Nase herum. Manchmal ist man nach der Lektüre eines solchen Buchs frustriert. Manchmal begeistert. John Hallidays „Gewitterfische“ gehören in die zweite Kategorie.

 

In einer Gewitternacht kommen in Westlake, der wohl ödesten Stadt der Welt, zwei Kinder zur Welt. Josh Jolly wird auf dem Jahrmarkt geboren, und in einem alten lila Schulbus erblickt in der gleichen Nacht Rainy das Licht der Welt.

Die Tante von Josh, eine Wahrsagerin, in deren Zelt die Entbindung stattfindet, wagt auch gleich eine Prophezeiung: „Ich spüre, dieses Mädchen wird Westlake berühmt machen. Da bin ich mir ganz sicher. „Es ist ein Junge“, erklärte Mr Jolly. „Wie auch immer. Er wird Westlake berühmt machen.“

Und während die Stadt von Jahr zu Jahr mehr verkümmert, wachsen die beiden Kinder heran. Mit ihnen die Neugierde des Lesers, wie es Josh gelingen wird, das verschlafene Kaff wachzurütteln. Vielleicht spielt der Goldfisch eine entscheidende Rolle, den Mort Moody, der junge Sportlehrer bei dem Hau-den-Lukas-Stand in jener denkwürdigen Nacht wider Erwarten der Zuschauer gewinnt und der auf Umwegen bei Mrs Jones, einer Lehrerin an der Mittelschule landet, die bereits die Lehrerin von Joshs Tante gewesen war. Oder das magische Brett, das Josh von seiner Tante bekommen hat, und das ihm rätselhafte und nicht immer ganz korrekt geschriebene Antworten auf seine Fragen gibt. Oder oder oder.

Josh und Rainy sind zwölf Jahre alt und kennen sich nicht, als sie neu in die Mittelschule in die Klasse von Mrs Jones kommen. In einem von Mrs Jones zusammengestellten Aquariumpflegeteam müssen sie gemeinsam mit zwei anderen Kindern aus der Klasse, Bill und Cynthia, eben jenen Goldfisch pflegen, der sich seit der Gewitternacht im Besitz von Mrs Jones befindet und den sie Elvis genannt hat. Die Spannung wächst Seite um Seite. Wir lernen vier liebenswürdige Außenseiter kennen, die zu sich einander vorsichtig annähern. Wir nehmen an Krisensitzungen des Stadtrats teil und teilen die Sorgen von Mort Moody, dem bereits erwähnten Sportlehrer. Wir warten und lesen, lesen und warten.

Wann platzt die Bombe? Wann gelingt Josh der große Wurf? Und wie wird der überhaupt aussehen? 188 Seiten später ist Eastlake gerettet, vier Kinder sind Freunde geworden und wir stellen fest, dass das alles eigentlich ziemlich unspektakulär war. Ein paar Schachspiele, ein gewonnenes Wettschwimmen, Schulalltag eben. Und wenn am Ende der Himmel sich über Eastlake erneut zu einem Gewitter während des Jahrmarkts zusammenzieht, die Geschichte von neuem zu beginnen scheint, legen wir eines der warmherzigsten und originellsten Kinderbücher seit langem aus der Hand.

Andrea Wanner



 
John Halliday: Gewitterfische.
Aus dem Amerikanischen von Uwe-Michael Gutzschhahn.
Ab 10 Jahren.
cbj, 2005.
Gebunden. 188 S., EUR 12,90.
ISBN: 3-570-12862-8.

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