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Dolf Verroen: Wie schön weiß ich bin (ab 12)

07.07.2005

 
Eine Überraschung

Ein provozierendes Jugendbuch erzählt eine ganz alltägliche Familiengeschichte, die in Surinam spielt und bei der Sklaven zum Alltag gehören.

 

Der zwölfte Geburtstag von Maria wird ein rauschendes Fest mit vielen schönen Geschenken, nur Tante Elisabeth will noch nicht verraten, womit sie dem Geburtstagskind eine Freude bereiten will. Es gibt Champagner, ein siebengängiges Menü wird serviert und es fehlt an nichts. Und dann der Höhepunkt. Vier schwarze Sklaven tragen schließlich eine riesengroße, silberne Terrine mit Deckel auf. Darin verbirgt sich das Präsent ihres Vaters: Koko, ein eigener kleiner Sklave nur für Maria. Und das Geschenk von Tante Elisabeth, das dann noch nachgereicht wird, ist eine kleine Peitsche.

Dolf Verroen hat seine Geschichte in Surinam angesiedelt, zu der Zeit als die die Niederländer das Land in Südamerika noch zu ihren Kolonien zählten. Ganz lakonisch lässt Dolf Verroen eine kleine Gutsbesitzerstochter aus ihrer Sicht die Dinge erzählen. Sie ist weiß und die Privilegien, die mit dieser Hautfarbe verbunden sind, sind für sie eine Selbstverständlichkeit. Der siebenjährige Koko, ihr persönlicher Besitz, bedeutet ihr nicht mehr als ein Spielzeug, an dem sie ihre Launen auslassen kann.

Am 1.Juli 1863 wurde in Surinam die Sklaverei abgeschafft. Was bis dahin auf den Plantagen geschah, wie die Menschen aus Afrika ausgebeutet, gedemütigt, geschlagen und missbraucht wurden, kann man nur erahnen. Aus dem ebenso naiven wie unverfälschten Blickwinkel einer „unschuldigen Täterin“, die sich alle Mühe gibt ein brave Tochter zu sein und dem elterlichen Vorbild nachzueifern, wird das menschenverachtende Tun der herrschenden Weißen als etwas ganz Alltägliches beschrieben. Maria kennt nichts anderes. Ihre Erziehung ist von den Moralvorstellungen der Eltern geprägt, Sklaverei gehört dazu. Die Weinkrämpfe der Mutter, weil der Vater eine wunderschöne Sklavin ausgesucht und in einem kleinen Haus untergebracht hat, oder die Störung beim köstlichen Nachtisch durch die Schreie eines Sklaven, der ausgepeitscht wird, sind kleine Irritationen in einem angenehmen Leben.

Wenn es Worte gibt, das Schreckliche zu beschreiben, dann hat der niederländische Autor sie gefunden. 40 kleine Einzelepisoden, kurze Sätze, deren Satzspiegel fast wie der eines Gedichts wirkt, fügen sich zu einem Bild zusammen. Ein Bild, das authentischer nicht sein könnte. Ein Bild, das Grausamkeit nicht durch detaillierte Beschreibungen heraufbeschwört, sondern, viel schlimmer, uns zeigt, wie normal die Unmenschlichkeit war, zu welcher Doppelmoral Menschen fähig sind und welch furchtbares Weltbild andere Menschen zu würdelosen Sklaven macht.

Andrea Wanner



Dolf Verroen: Wie schön weiß ich bin.
Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf.
Peter Hammer Verlag 2005.
Gebunden. 68 Seiten. 11 Euro.
Ab 12 Jahren.
ISBN 3-423-70921-9

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