In New York ist Daisy unerwünscht: die neue Frau ihres Vaters erwartet ihr erstes Kind und Daisy mit ihrer Magersucht und ihren ewigen Problemen stört nur. Sie wird zur Schwester ihrer verstorbenen Mutter nach England geschickt. Ein Glücksfall, wie Daisy findet, denn bei den vier außergewöhnlichen Geschwistern Piper, Isaac, Osbert und Edmond fühlt sie sich schnell wohl. Auch oder gerade weil Tante Penn keine Zeit für die fünf hat, sondern sich um den Weltfrieden kümmert.
Es ist das Paradies auf Erden, ein ländliches Idyll mit Tieren und Menschen, denen Daisy näher kommt. Und wie im Paradies gehört auch eine richtige Liebesgeschichte mit dazu. Aber schlagartig ändert sich die Situation: während Tante Penn in Oslo bei einer Friedenskonferenz ist, gibt es in London ein furchtbares Attentat. Und dann herrscht Krieg.
In einer ganz eigenen Sprache und unter weitgehendem Verzicht auf gewohnte Zeichensetzung findet Meg Rosoff Worte, das Schreckliche zu beschreiben und die Leser zwischen den Zeilen alles Ungesagte spüren zu lassen. Daisy ist eine unpolitische Heldin, die kein Interesse am Frieden auf der Welt sondern höchstens an ihrem eigenen Glück hat. Dass sich das auf Dauer nicht voneinander trennen lässt, wird in dieser Robinsonade schnell deutlich. Das Abenteuer mit kleinen Tricks aus dem Survival-Handbuch verwandelt sich in einen echten Kampf ums Überleben. Aus der Perspektive der 15jährigen Daisy klingt das unverbraucht und ehrlich. Und was das Erstaunlichste ist: die in den schrecklichen Bericht vom Ausbruch des großen, weltweiten Krieges eingebettet Liebesgeschichte rundet auf beinahe magische Weise die Erlebnisse ab. Selten hat ein Jugendbuch so überzeugend und durchaus mit Witz und Ironie von großen Dingen, schrecklichen wie schönen, erzählt. Kaum zu übertreffen am Ende bewegender Bekenntnisse der lakonische Schlusssatz: Und so lebe ich jetzt.
Andrea Wanner

Meg Rosoff: So lebe ich jetzt.
Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit.
Carlsen 2005.
Gebunden. 204 Seiten. 14 Euro.
ab 14 Jahren.
ISBN 3-551-58138-X