Peter Schwindt: Justin Time - Verrat in Florenz (ab 12)
03.11.2005
Spiel mit der Zeit
Der Pionier der Science Ficiton Literatur H. G. Wells schickte im Jahre 1895 erstmals einen Helden auf eine Zeitreise 800.000 Jahre in die Zukunft. Das war der Beginn eines großen Traums in der Literatur von Reisen in die Vergangenheit und Zukunft. Jetzt ist Justin Time, ein Junge aus dem 24. Jahrhundert durch Zeit und Raum unterwegs.
Auf fünf Bände hat Peter Schwindt die Suche des „Zeitwaisen“ Justin konzipiert, der auf der Suche nach seinen Eltern ist, die bei einem spektakulären Zeitreiseversuch ums Leben gekommen sein sollen. Band vier ist jetzt erschienen.
Justin ist 13 und in einem Internat im britischen Seebad Brighton untergebracht. Wir schreiben das Jahr 2377 und als der Junge die Möglichkeit bekommt, den Ursachen für das Verschwinden seiner Eltern auf den Grund zu gehen, tut er das ohne Zögern. Auf ihren Spuren reist er nun selbst in der Vergangenheit – in das London des 19. Jahrhunderts, auf einen ehemaligen US-Marinestützpunkt in Montauk im Jahre 1983, ins Sibirien des Jahres 1908 und ins Florenz des Jahres 1492.
Begleitet wird Justin bei seinen spannenden Abenteuern von Fanny, einem Mädchen, das er bei seiner ersten Unternehmung rettete, und gemeinsam beginnen die beiden langsam ein Netz von Intrigen und Verschwörungen zu durchschauen. In Florenz hilft ihnen dabei kein geringerer als der große Erfinder Leonardo da Vinci. Längst wissen wir, dass der seiner Zeit voraus war. Woher er viele seiner bahnbrechenden Erfindungen und Theorien hatte, erfahren wir – mit einem kleinen Augenzwinkern - jetzt.
Schwindt lässt jede Epoche, in der die beiden landen, mit vielen Details lebendig werden und versteckt raffiniert kleine Beweise für die Möglichkeit, sich tatsächlich durch die Zeit zu bewegen. Probleme der Kausalität wie das Großvater-Paradoxon (Ein Mann reist in die Vergangenheit und bringt seinen eigenen Großvater um, noch ehe der dessen Vater gezeugt hat. Da also sein Vater nicht gezeugt wurde, konnte dieser auch den Zeitreisenden selbst nicht zeugen, der Zeitreisende hat also niemals gelebt. Folglich konnte er auch seinen Großvater nicht umbringen. Der zeugt also seinen Sohn und der den Zeitreisenden, der also doch gelebt hat…) werden unterhaltsam in das große Abenteuer eingebaut und mit der schwierigen Frage, ob Menschen in den Lauf der Geschichte eingreifen dürften – wenn sie es könnten – verknüpft.
Für lange Winterabende kommen die dicken Schmöker „just in time“ und auf das große Finale, das im Frühjahr erscheint, darf man neugierig sein.
Andrea Wanner
Peter Schwindt: Justin Time – Verrat in Florenz
Loewe 2005.
Gebunden. 256 Seiten. 14,90 Euro.
ab 12 Jahren.
ISBN 3-7855-5553-9