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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:02

 

Franz Hohler: Der Tanz im versunkenen Dorf

10.11.2005

 
Von guten Geistern heimgesucht

Die Geschichte ist schnell erzählt, nicht nur weil sie so kurz ist: Wer tief(sinnig) untertaucht, der findet auch in brackig-dunklen Gewässern jede Menge Spaß und Engagement. Und Moral.

 

Beim Angeln fängt der kleine Conradin zwar keinen einzigen Fisch, dafür aber ein kleines Hutzelmännchen. Der Zwerg lädt ihn zu einer mitternächtlichen Tour auf den Grund des Sees ein. Da tummeln sich in einem versunkenen Dorf merkwürdige Figuren, die alle eines gemeinsam haben: Dort gehören sie ursprünglich gar nicht hin. Flussgeist Rumpelkalk ist eigentlich im Rumpelbach zu Hause, die Neuneuterkuh vermutet man eher auf einer grünen Wiese, und die Plätschersusi, so sagt es ihr Name, sollte im Schletzbachtal munter plätschern.

Schuld am unfreiwilligen Ortswechsel dieser Herrschaften ist der Stausee, der ihren Lebensraum radikal verkleinert. Conradin, von den Geistern als Bote auserkoren, soll den Menschen, die für die Zerstörung der natürlichen Lebensräume verantwortlich sind, ausrichten, sie, die Geister, würden demnächst ihren Tanz in der Menschenstadt aufführen, wenn die Demontage nicht aufhört.

Franz Hohler erzählt eine Geschichte mit Hintergedanken für Kinder, die den Nerv guter Kindererzählungen treffen. Identifikationsfiguren, fantasievolle Story, Botschaften für die Erwachsenen. Der im Metier des Kinderbuches nicht unerfahrene Autor ("Tschipo und die Pinguine" oder "Der Riese und die Erdbeerkonfitüre") trifft traumwandlerisch sicher den richtigen Ton und spielt damit und mit seinen Figuren in den Köpfen der Kinder herum.

Was auch der Illustrator Reinhard Michl tut, dessen kindgerecht einfache Zeichnungen und witzige Charakterisierung der Hohlerschen Figuren das schmale Buch zu einem besonderen werden lassen.

Klaus Hübner


Franz Hohler/Reinhard Michl: Der Tanz im versunkenen Dorf.
Kinderbuch.
Carl Hanser Verlag. München, 2005.
Gebunden. 32 Seiten. 12,90 Euro.
ISBN 3-446-20633-7.

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