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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:03

 

Margaret Wild: Eine Nacht. (ab 13)

16.02.2006

Folgenreiches

Eine Nacht verändert das Leben von Helen. Jene Nacht, in der sie sich auf einer Party mit Gabe einlässt. Sie haben sich vorher nie getroffen und sie werden sich so schnell nicht wieder sehen. In dieser Nacht wird Helen schwanger.

 

Die Versform, in der Margaret Wild ihren für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominierten Roman „Jinx“ präsentierte, ist auch das erste, das „Eine Nacht“ zu einem auffallenden Buch macht. Ansonsten sind schwangere Teenager in der Jugendliteratur keine Seltenheit. Auch junge Mädchen, die ganz alleine mit diesem Schicksal fertig werden müssen, gibt es genug. Helen ist eine von vielen. So wie Gabe einer von vielen ist. Ein Junge ohne Herz, der einfach zusammen mit seinen Kumpels seinen Spaß sucht. Das Spiel hat Methode: die Abwesenheit der Eltern wird zu generalstabsmäßig angelegten Partys genützt. Ohne eine Spur zu hinterlassen, vergnügt sich eine seelenlose Jugend, die ihre Unschuld längst verloren hat. Dabei sind die Täter die wahren Opfer: Gabe, Al und Bram haben ihre traurigen Erfahrungen längst gemacht, die Liebe hat sich früh aus ihrem Leben geschlichen. Fun statt Beziehung, Vergnügen statt Nähe und Emotion. Und auch Helen ist vom Leben gezeichnet. Sie, die ihr Äußeres komplizierten Operationen zu verdanken hat, hat es gelernt hinter die Fassade zu blicken. Was sie bei Gabe entdeckt, sollte sie erschrecken. Aber in dieser einen Nacht kommen sich zwei Menschen so nahe wie es nur geht.

Die australische Autorin Margaret Wild erzählt auf eine sehr eigenwillige Art von Liebe. Sie gewährt uns ungeahnte Einblicke in das Leben zahlreicher Menschen, verwendet Schicksale und Erlebnisse wie die bunten Scherben in einem Kaleidoskop um daraus ein farbiges Bild zu zaubern. Ständig wechselt sie die Perspektive, findet Worte für die ganz großen Gefühle und verdichtet Sprache eindrucksvoll. Helens Schwangerschaft, die Probleme mit ihrer Familie, ihre Einsamkeit und der trotzige Wille, alles in den Griff zu kriegen, gehen einem nahe. Der Gefahr, kitschig zu werden, erliegt sie dabei so wenig, dass sie sogar ein Happy End wagen darf. Keine Sorge, Helen und Gabe enden nicht als Bilderbuchfamilie. Aber für die Zukunft ausschließen kann man das nicht.

Andrea Wanner


Margaret Wild: Eine Nacht.
Hanser 2006.
Gebunden. 240 Seiten. 14,90 Euro.
Ab 13 Jahren.
ISBN 3-446-20705-8

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