Eva Lindström, So ein Glück. (ab 6)
13.07.2006
Beste Freunde
Es gibt Glücksfälle im Leben. Ein guter Freund gehört dazu. Und wenn man so wie Roj einen neuen Nachbarn bekommt, der in Nullkommanichts der beste Freund wird, dann handelt es sich dabei schon um einen außerordentlichen Glücksfall.
Was macht beste Freunde eigentlich zu besten Freunden? Wenn man Mats und Roj miteinander beobachtet, ist auf jeden Fall schnell klar, dass die beiden sich prächtig verstehen. Sie haben beide eine ausgeprägte Fantasie, lachen über dieselben Dinge, staunen über das Gleiche. Mit so einem Freund braucht man keine außergewöhnlichen Abenteuer. Da wird das ganz Alltägliche zum besonderen Erlebnis. Zum Beispiel die Vorstellung, dass unter dem Haus von Rojs Familie die gleiche Familie noch einmal wohnt, quasi als Unterweltfamilie. Damit sie mit der Oberweltfamilie nicht verwechselt werden kann, tragen die Unterweltler immer karierte Kleidungsstücke. Mats findet das am Anfang eine komische Idee. Aber nur am Anfang. Ein einsamer Einkaufswagen wird zweckentfremdet, Steine lernen das Fliegen, Eidechsen werden beobachtet und nach Maulwürfen wird gelauscht.
Der Zauber der Kindheit liegt über diesen Geschichten, die aus scheinbaren Nichtigkeiten eine eigene, geheimnisvolle Welt zaubern. Kein Erwachsener nimmt sich für so etwas Zeit, kein Erwachsener nimmt solche Dinge auch nur zur Kenntnis. Schade. Wie kleine Statements ergänzen die naiv wirkenden Illustrationen die Geschichten. Kein Strich zuviel. Keiner zu wenig. Die Geschichten von Mats und Roj zeigen die Welt aus Kinderaugen. Für diese Abenteuer braucht es keine Ritter und Indianer, keine Dinosaurier und Außerirdische. Nur ein bisschen Fantasie. Was für ein Glück!
Andrea Wanner
Eva Lindström: So ein Glück.
Geschichten von Mats und Roj.
Hanser 2006.
Gebunden. 120 Seiten. 12,90 Euro.
Ab 6 Jahren.
ISBN 3-446-20697-3