Jochen Stuhrmann, Ernesto. Eine lange Reise auf kurzen Beinen. (ab 5)
03.08.2006
Reisefieber
Eine Postkarte mit einem Bild von einem Traumstrand fällt irrtümlich durch Ernestos Briefschlitz und markiert den Anfang einer abenteuerlichen Reise.
Sie ist nicht für Ernesto, den Hund, bestimmt, der in einem karierten Anzug auf einem karierten Sessel hockt, vier karierte Pantoffeln zu seinen Hundebeinen. Er kann die merkwürdigen Schriftzeichen nicht entziffern, das Foto sagt ihm nichts und überhaupt hat er niemanden, der ihm schreiben könnte. Ernesto wirkt ein bisschen langweilig, seine Wohnung ist pedantisch aufgeräumt. Und wahrscheinlich ist es primär auch genau diese Ordnungslieben, die ihn dazu bewegt, den Brief dem wirklichen Empfänger zukommen zu lassen.
Die erste Station, wo er sich Hilfe erhofft ist das Postamt. Aber es wäre ihm im Traum nicht eingefallen, dass er am Ende auf den Fidschi-Inseln landet und tatsächlich das Rätsel der Karte löst.
Jochen Stuhrmann bietet als Personal einen halben Zoo auf, der sich auf den malerischen Bildern, die in üppigen Farben schwelgen, tummelt. Ein Schwein mit der Aufschrift auf dem knappen T-Shirt „PURE PORK“, ein ganzkörpertätowiertes Walross namens Napoleon Naumann oder eine schnittige Albatross-Pilotin, die auf den schönen Namen Adelheid von Aalborg hört, sind nur einige der skurrilen Gestalten, die Ernestos Weg kreuzen. Eigenwillig sind die Bilder mit den seltsam eckigen Formen und wie durch einen Farbfilter betrachteten Szenen. Voll schrägem Witz sind die Szenen, jede Doppelseite ein kleines Kunstwerk für sich, voll origineller Einfälle der Text mit vielen versteckten Gags, die das Bilderbuch auch für Erwachsene zu einem puren Vergnügen machen.
Unkonventionell, abenteuerlich und einfach bezaubernd ist die Reise ans andere Ende der Welt und wieder zurück, wo eine wunderbare Überraschung Ernestos Heimkehr krönt.
Andrea Wanner
Jochen Stuhrmann, Ernesto. Eine lange Reise auf kurzen Beinen.
Bajazzo 2006.
Gebunden 32 Seiten. 13,90 Euro.
Ab 5 Jahren.
ISBN 3-90758869-X