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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:08

 

Laureen Child: Die Prinzessin auf der Erbse (ab 4)

02.11.2006

Puppenstubenmärchen
„Es war einmal ein Prinz, der wollte eine Prinzessin heiraten. Aber das sollte eine wirkliche Prinzessin sein. Da reiste er in der ganzen Welt herum, um eine solche zu finden, aber überall fehlte etwas. Prinzessinnen gab es genug, aber ob es wirkliche Prinzessinnen waren, konnte er nie herausfinden. Immer war da etwas, was nicht ganz in Ordnung war. Da kam er wieder nach Hause und war ganz traurig, denn er wollte doch gern eine wirkliche Prinzessin haben.“

 

Die Erfüllung des Prinzenwunsches hat Hans Christian Andersen in seinem Märchen von der Prinzessin auf der Erbse anschaulich beschrieben: man muss sich wie eine Prinzessin aussehen, das Äußere kann trügen. Aber wer unter einem Stapel von Matratzen und Eiderdaunendecken immer noch die versteckte Erbse spürt und die ganze Nacht kein Auge zutut, MUSS eine waschechte Prinzessin sein. Laureen Child erzählt nun – nicht als Erste – das Märchen sprachlich witzig und typografisch originell gestaltet nach und inszeniert es in einem wundervollen Puppenstubenambiente. Gemalte und ausgeschnittene Papierfiguren bevölkern eine dreidimensionale Welt, in der über den tatsächlich funktionierenden Kronleuchter über die winzigen Schuhe bis zu einer Schüssel voller Erbsen alles täuschend echt wirkt. Der Aufwand, den die Künstlerin für ihre Version des Märchens betrieben hat, lässt sich nicht beschreiben sondern nur staunend genießen. Möbel, Bodenbeläge, die bunten Stoffe der Bettwäsche oder das Miniaturgeschirr sind echte Hingucker, die Kindheitsträume zum Leben erwecken. Wunderbar dramatisch sind die Außenszenen gelungen, wenn eine arme Prinzessin durch einen gespenstischen Scherenschnittwald irrt. Polly Borland, eine Porträtfotografin, hat die kunstvollen Arrangement im Bild festgehalten und dabei herausgekommen ist die märchenhafteste Variante, die man sich vorstellen kann. Mindestens so spannend wie die Geschichte ist das anschließend auf einer Doppelseite dokumentierte „Making of“, das vielleicht sogar dazu inspiriert, selbst ein Märchen ins Puppenhaus zu verlagern.

Andrea Wanner


Laureen Child: Die Prinzessin auf der Erbse.
Carlsen 2006.
Gebunden. 48 Seiten. 16 Euro.
Ab 4 Jahren.
ISBN 3-551-51669-3

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