Jutta Richter, Die Katze (ab 9)
30.11.2006
Auf leisen Pfoten
Katzen sind Einzelgänger. Geheimnisvoll und lautlos bewegen sie sich durchs Leben, von dem sie ja angeblich sieben haben, und auf sie verlassen sollte man sich vielleicht besser nicht.
Christine begegnet ihr jeden Morgen auf dem Schulweg. Die alte, weiße Katze trägt Schuld an Christines täglichem Zuspätkommen, denn sie kann sprechen und erklärt dem Mädchen die Welt, die Ewigkeit, überhaupt alles. Natürlich nimmt weder ein ungeduldiger Lehrer noch ein zorniger Vater Christine solchen Blödsinn ab. „Klüngelliese“ wird sie in der Schule genannt und der Vater ermahnt sie ununterbrochen, diese „Fisematenten“ zu lassen. Unbeeindruckt saugt Christine das Wissen auf, schon allein, weil die Katze die einzige ist, die sich für solche Dinge Zeit nimmt.
Aber irgendwie ist die Sicht einer Katze auf die Dinge der Welt dann doch eine andere als die eines Mädchens. Langsam beginnt sich eine Seite in Christine von der rechthaberischen Katze zu entfernen und selber über das Leben nachzudenken. In kurzen Kapiteln und einem insgesamt schmalen Bändchen beschreibt Jutta Richter diesen Emanzipationsprozess. Ihr Bekenntnis, poetisch zu denken und zu formulieren, hat die preisgekrönte Autorin und spürbare Katzenliebhaberin ein weiteres Mal in einem Kinderbuch umgesetzt. Zu schwere Kost für die Kleinen? Mit originellen Katzenbildern zaubert Rotraut Susanne Berner zusätzlichen Witz und Heiterkeit ins Buch. „
Am Ende ist sie verloren, die Ewigkeit. Und irgendwie ist das sogar ganz tröstlich. Wer will sich schon die Ewigkeit mit einer Katze teilen, zumal einer, die mit nichts und niemandem Mitleid kennt.
Andrea Wanner
Jutta Richter: Die Katze oder Wie ich die Ewigkeit verloren habe
Mit Bildern von Rotraut Susanne Berner
Hanser 2006.
Gebunden. 72 Seiten. 12,90 Euro.
Ab 9 Jahren.
ISBN 3-446-20793-6