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Freitag, 25. Mai 2012 | 21:09

 

Thomas Jeier, Emmas Weg in die Freiheit (ab 14)

13.12.2006


Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Amerika, das Land der Freiheit. Das Paradies auf Erden, in dem es keine Armut und keine Unterdrückung gibt. So werben Plakate für die Auswanderung in die USA. Man schreibt das Jahr 1909 und die 17jährige Emma folgt dem Ruf nach Übersee.

 

Sie hat nicht viel zu verlieren. Früh Waise geworden, wird sie vom o­nkel als billige Arbeitskraft missbraucht und die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass er ihr gern näher kommen würde. Emma flieht bei Nacht und Nebel und macht sich mutterseelenallein auf eine abenteuerliche Reise ins Ungewisse. Es kann nur besser werden, davon ist das junge Mädchen überzeugt – und hat keine Ahnung, was sie in New York erwartet.

Thomas Jeier verpackt Emmas Erfahrungen in einen leicht zu lesenden, fesselnden historischen Roman, der die Arbeitsbedingungen junger Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Amerika beschreibt. Bedingungen, bei denen einem die Haare zu Berge stehen. Denn anders geplant kommt Emma nicht bei einem o­nkel unter – der entpuppt sich als Säufer, der nach dem Tod seiner Frau alles verloren hat – sondern muss ihren Lebensunterhalt als Näherin in der Fabrik verdienen. Vier Dollar Lohn pro Woche, die Kosten für das Schließfach, Strom, Nadeln und Garn für die Maschine gehen davon ab. Die wöchentliche Arbeitszeit erreicht spielend 70 bis 80 Stunden, Überstunden werden nicht vergütet. Das Reden oder Lachen während der Arbeitszeit ist strengstens untersagt und wer es trotzdem tut – kein Problem: es warten zig andere Mädchen auf die begehrten Jobs.
Emma beißt sich durch. Ihr erscheint es immer noch als das kleinere Übel: für das tägliche Überleben stehlen zu müssen, ist in ihren Augen schlimmer. Und als die Zustände immer unerträglicher werden, gehört sie zu denen, die es wagen auf die Straße zu gehen.
Die sozialen Probleme sind gut recherchiert und anschaulich geschildert.

Als Dreingabe gibt es noch eine Liebesgeschichte und viele eingestreute Informationen – z.B. warum so viele Juden zur damaligen Zeit aus Osteuropa in die USA auswanderten. Der Aufstand der Näherinnen wird von Jeier mit einer großen Portion Optimismus erzählt, ohne die Situation romantisch zu verklären. Wer sich weiter für die Fakten interessiert: im Anhang des wirklich lesenswerten Buches gibt es einige weiterführende Literaturtipps.
Und am Ende wirkt dann auch die Freiheitsstatue für Emma nicht mehr ganz so ironisch und deplaziert.

Andrea Wanner


Thomas Jeier: Emmas Weg in die Freiheit
Überreuter 2006.
Gebunden. 254 Seiten. 14,95 Euro.
Ab 14 Jahren.
ISBN 3-8000-5234-2

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